Alte Mainbrücke im Morgenrot. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Alte Mainbrücke im Morgenrot. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Es war einmal: Sagen & Legenden aus Mainfranken

Sagen und Legenden: Überall in Mainfranken finden sich Orte, über die man sich unglaubliche Geschichten erzählt. Jahrhunderte alt und über Generationen weitergegeben. Eine Reise zu ausgesuchten Schauplätzen.

Das Teufelsloch unter der Alten Mainbrücke

Die Alte Mainbrücke in Würzburg ist ein Wahrzeichen der Stadt. Was viele nicht wissen: Bei ihrem Bau im 15. Jahrhundert soll der Teufel seine Finger im Spiel gehabt haben. Hochwasser hatte die alte Holzbrücke mit sich fortgerissen, nun sollte ein neuer, unverwüstlicher Übergang geschaffen werden. Da kam auch der Teufel und bot dem Baumeister seine Hilfe an. Doch dieser ließ sich auf keinen Handel ein. Hierüber ergrimmt, suchte der Teufel den Bau auf alle mögliche Weise zu hemmen. Und wirklich brauchte man über hundert Jahre, um die Brücke zu vollenden. Nach ihrer Vollendung wollte der Teufel die Pfeiler untergraben, um sie von den Wogen wegreißen zu lassen. Doch da die Brücke schon durch kirchliche Weihe geschützt war, vermochte er nur zwischen zwei Pfeilern ein Loch auszuhöhlen, und mußte erfolglos abziehen. Dieses „Teufelsloch“ soll grundlos sein und hat einen gefährlichen Strudel. Deshalb riefen Flößer, die einst durch die Brücke trieben, den Heiligen Johannes von Nepomuk an, dessen steinerne Statue noch heute oberhalb dieses Lochs auf der Brücke aufgestellt ist.

Der Schmied aus Ochsenfurt

Eine Reihe prächtiger Fachwerkhäuser ziert die Altstadt von Ochsenfurt. An einem von ihnen kündet eine Inschrift, dass hier Hans Stock, der Schmied von Ochsenfurt, gewohnt habe. Seine Legende ist kurios: Als zur Stauferzeit immer wieder deutsche Ritterheere südwärts zogen, um gegen das Papsttum und um Italien zu kämpfen, da wurde auch Hans Stock vom Fernweh gepackt. Er schmiedete sich Waffen und schloss sich einem Reitertrupp an. Damals kämpfte der junge König Konradin um das Königreich Sizilien. Es war ihm aber kein Kriegsglück beschieden. 1268 wurde er nach seiner Niederlage in Neapel enthauptet. Im deutschen Heer herrschte Verzweiflung. Da tauchte der wackere Schmied auf und wie ein Lauffeuer ging es durch die Reihen: „Der König lebt!“ Hans Stock wusste nicht, dass er dem König in Gesicht und Gestalt zum Verwechseln ähnlich sah. Die frohe Kunde drang auch zu den Feinden, während der Schmied geistesgegenwärtig handelte und seine Rolle perfekt spielte. Sicher führte er das Heer über die Alpen zurück und entriss es den Fängen seiner Feinde. Als „König Stock“ kehrte er nach Ochsenfurt zurück, dort tauschte er Schwert und Königsmantel gegen Hammer und Schürze und verbrachte sein restliches Leben als bescheidener Handwerker.

Der Schmied von Ochsenfurt. Foto: Claudia Schuhmann

Der Schmied von Ochsenfurt. Foto: Claudia Schuhmann

Der Lindwurm der Vogelsburg

Auf der Vogelsburg bei Volkach, so erzählt man sich, lebte einst ein edles Ritterpaar mit seiner anmutigen Tochter namens Gertraud. Unweit der Burg hauste in einer Schlucht ein schrecklicher Drache, der täglich ein Menschenopfer verlangte. Gewaltig tobte das Untier, als  ihm einmal mehrere Tage lang sein Opfer vorenthalten wurde. Verängstigt warfen die Bewohner der Vogelsburg das Los – es fiel auf Gertraud. Man brachte das Kind an den Rand des Abgrunds. Als das Schnauben des Drachens zu hören war, liefen alle davon. Das Mädchen aber stand alleine wie gelähmt da und glaubte sich verloren. Während sich das Ungetüm aus seinem Versteck hervorwälzte, kam wie durch ein Wunder ein Ritter dahergesprengt und tötete durch einen kühnen Lanzenwurf den Lindwurm. Groß war die Freude der Eltern über die unverhoffte Rettung ihrer Tochter. Zum Dank bekam der fremde Reitersmann Gertraud zur Frau und wurde der Nachfolger des Ritters von der Vogelsburg.

Der Lindwurm auf der Vogelsburg. Foto: Mathias Endri

Der Lindwurm auf der Vogelsburg. Foto: Mathias Endri

Der kopflose Reiter von der Hallburg

Idyllisch liegt das Schloss Hallburg auf einer Anhöhe über der Volkacher Mainschleife. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel, das auch ein Weingut beherbergt. Vom 14. bis ins 17. Jahrhundert hinein lebte dort das fränkische Adelsgeschlecht der Zollner von der Hallburg. Einer der letzten Sprösslinge dieser Adelsfamilie war der Junker Stoffel, über den sich kaum Gutes berichten lässt. Er lebte in Saus und Braus und verjubelte sein Vermögen bei Spiel und Becherklang. Auf Treib- und Hetzjagden durchritt er mit seinen Gesellen rücksichtslos die Felder und Weinberge und verursachte den Bauern großen Schaden. Die Marktschiffe, die auf dem Main daherkamen, hielt er am Fuß der Hallburg an, erpresste hohe Lösegelder und nahm die besten Waren an sich. Schließlich kamen diese Schandtaten dem Landesherrn, dem Fürstbischof zu Würzburg, zu Ohren. Der schickte einen Trupp Reiter, die den ahnungslosen Junker auf freiem Feld überfielen und gefangen nach Würzburg führten. Dort wurde der Übeltäter wegen Landfriedensbruchs verurteilt und enthauptet. Seither soll sich der Gerichtete um Mitternacht in der Gegend der Hallburg als Reiter ohne Kopf zeigen. Vor allem in der Adventszeit wollen ihn schon viele gesehen haben.

Der kopflose Reiter von Hallburg. Foto: Sophie Daum

Der kopflose Reiter von Hallburg. Foto: Sophie Daum

Die Äbtissin vom Schwanberg

Der Schwanberg springt als 473 Meter hohe Bergzunge aus dem Steigerwald weit nach Westen ins Maintal vor. Einst hielt König Pippin, Vater Karls des Großen, auf dem Schwanberg Hof. Seine Tochter Hadeloga saß eines Tages am Fenster der Burg und blickte hinaus auf die weite, sonnige Mainebene. Da trat ihr Vater hinzu und fragte, was sie auf dem Herzen habe. Durch die Frage ermutigt, wagte sie den Wunsch zu äußern, der König möge ihr in dieser schönen Gegend ein Stück Land schenken, sie wolle dort ein Kloster bauen lassen. König Pippin gewährte ihr den Wunsch. So zog Hadeloga ihren Handschuh ab, um innig dankend ihrem Vater die Hand zu schütteln. Doch da fuhr ein heftiger Windstoß über den Berg, wirbelte den Handschuh in die Luft und trug ihn durch die Lüfte davon. Zur selben Zeit weidete jenseits des Mains ein Schäfer seine Herde. Der sah etwas vom Himmel herabschweben, eilte hinzu, hob den Handschuh auf und brachte ihn zur Königsburg. Hadeloga erblickte darin einen Wink des Himmels und ließ an der Stelle, wo der Handschuh niedergefallen war, ihr Kloster bauen. Da der Schäfer, der den Handschuh fand, den Namen Kitz trug, wurde das Kloster – wie auch die spätere Siedlung – Kitzingen genannt. Hadeloga war die erste Äbtissin des Klosters. Eine andere Sage erzählt, das Hadeloga die Tochter des fränkischen Majordomus Karl Martell gewesen sein soll. Wegen ihrer Weltfremdlichkeit hatte sie ihr Vater verstoßen, was er aber später bereute. Er gestand ihr schlussendlich die Klostergründung zu. Den Ort, an dem das Kloster stehen sollte, bestimmte eine Beobachtung, die Hadeloga gemacht hatte: In die Herde des Schäfers Kitz war ein Wolf eingebrochen und hatte eine Ziege geraubt. Der Schäfer jedoch entriss es tapfer den Fängen des Wolfes und rettete so das Jungtier. An dieser Stelle wurde das Kloster Kitzingen erbaut.

Die Äbtissin von Schwanberg. Foto: Sebelka

Die Äbtissin von Schwanberg. Foto: Sebelka

Der schlafende Riese im See

Vor dem Eingang zum Bad Kissinger Friedhof befindet sich der 1.076 Quadratmeter große Liebfrauensee, der als Wasserquelle für den Brunnen am Rathaus und im Sommer als Durstlöscher für die Kissinger Bürger diente. Der am Liebfrauensee entspringende Bach fließt, heute unter der Straßendecke verbaut, u. a. über die Bachstraße durch die Innenstadt und mündet in den Bad Kissinger Rosengarten. In diesem See, gerade unterhalb der Marienkapelle, wollte sich ein Jüngling ertränken, weil der stolze Müller sich weigerte, ihm seine Tochter zur Ehefrau zu geben.  Als der junge Mann am Ufer stand, um sich in den Tod zu stürzen, erschien ihm die Muttergottes. Das Wunder sprach sich in der Stadt herum, der Jüngling bekam daraufhin doch das Mädchen und der See den Namen Liebfrauensee. Weiter wird vom See berichtet, dass er ungeheuerlich tief und mit dem Weltmeer unterirdisch verbunden sei und dass auf dem Grund ein Riese schlafe. Werde er sich einst erheben, werde die Stadt überschwemmt.

Der schlafende Riese im See. Foto: Horst Bertzky

Der schlafende Riese im See. Foto: Horst Bertzky

Der Schatz auf Burg Raueneck

Von den Trümmern des alten Bergschlosses Raueneck in Franken geht eine Sage, nach der dort noch ein großer Schatz vergraben sein soll, den ein ruheloser Geist bewacht, der ängstlich auf Erlösung hofft. Aber wer kann und soll diesen Schatz wohl heben und den Geist erlösen? Auf der Mauer steht ein Kirschbäumchen; das wird einst ein Baum werden, und der Baum wird abgehauen und daraus eine Wiege gemacht. Wer nun in dieser Wiege als ein Sonntagskind geschaukelt wird, wird erwachsen, aber nur, wenn er rein und jungfräulich geblieben, in einer Mittagsstunde den Geist befreien und den Schatz heben und über alle Maßen reich werden, so dass er die Burg Raueneck und alle zerstörten Burgen in der Nähe wieder aufbauen kann. Wenn das Bäumchen verdorrt oder ein Sturm es bricht, dann muss der Geist wieder verharren, bis abermals ein durch einen Vogel auf die hohe Mauer getragener Kirschkern aufkeimt und aufgrünt, und vielleicht zum Baume wird.

Der Schatz auf Burg Raueneck. Foto: Dahinten

Der Schatz auf Burg Raueneck. Foto: Dahinten

Der Müller von der Teufelsmühle

Ein Müller hatte sein Frau und seine Kinder beim Brand seiner Mühle verloren. Er zog hinaus in die Welt und gelangte in die Rhön nahe des Ortes Bischofsheim. Erschöpft ließ er sich an einem Stein nieder. „Ach, wenn ich hier Wasser hätte, würde ich wieder eine Mühle bauen“, sagte er vor sich hin, „und wenn mir der Teufel dabei helfen sollte!“ Der Teufel war schnell zur Stelle und sprach zu ihm: „Versprichst Du mir die Seele desjenigen, der hier zuerst auf dem Stein sich ausruhen wird, dann soll Dein Wunsch in Erfüllung gehen.“ Rasch schlug der Müller ein, aber nur unter der Bedingung, dass der Teufel ihm auch seine Frau und Kinder wieder herholen müsse. Dafür verlangte der Teufel jedoch auch die Seele der zweiten Person, die sich auf den Stein setzen würde. Und tatsächlich – am nächsten Morgen sprudelte ein Bach den Berg hinab und eine Mühle stand nahe am Wasser. Frau und Kinder waren ebenfalls wieder da! Als der Teufel nun eines Tages in die Mühle trat, um an sein Versprechen zu erinnern, da lachte ihn der Müller aus: „Du hast Dich selbst betrogen, denn der Stein liegt mitten im Mühlteich und keine Menschenseele kann sich darauf ausruhen.“ Die Mühle ist längst verfallen, aber der das Wasser stürzt noch immer den Berg hinab.

Der Müller von der Teufelsmühle. Foto: Gerhard Fischer

Der Müller von der Teufelsmühle. Foto: Gerhard Fischer

Die drei Jungfrauen aus dem Moor

Nebelschwaden, die sich großflächig über eine unwirtliche Landschaft legen. Morsche Bäume und abgestorbene Pflanzen. Märchenhafte Birkenhaine und dunkle Mooraugen, die alles verschlingen, was in ihre sumpfigen Fluten gerät. Mit ihrer geheimnisvollen Aura bilden Moore seit jeher Nährboden für Sagen und Legenden. Der Teufel habe Unmengen von Wasser aus dem Meer in die Rhöner Berge geleitet. Auf solch rationale Weise erklärte sich das Volk mitunter die Entstehung der Hochmoore in der Rhön. Wegen des ausschweifenden Lebenswandels seiner Bewohner, soll im Schwarzen Moor einst gar ein ganzes Dorf versunken sein. Wanderer erzählen, dass in manch stürmischer Nacht aus dem Moor noch die Kirchturmglocken zu hören sind. Drei Jungfrauen aus dem versunkenen Dorf soll es indes gestattet gewesen sein, von Zeit zu Zeit aus den Tiefen des Moors aufzusteigen, um den Kirmestanz im benachbarten Wüstensachsen zu besuchen. Als die Dorfburschen die Moorjungfern einmal austricksten und bis zum Morgengrauen aufhielten, war es mit dem gelegentlichen Tanzvergnügen vorbei. Am nächsten Tag färbte sich das Moorauge blutrot und die Jungfern geistern seither nur noch als Irrlichter durch die Landschaft. Eine ganze Armee soll indes eine junge Frau im Roten Moor ins Verderben gerissen haben: In den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs kamen die Schweden ins Rote Moor und stöberten ein verstecktes Moordorf auf. Um die Schweden abzulenken, floh die Dorfgrazie mit ihrem feuerroten Kleid ins dunkle Moor. Geblendet von ihrer Schönheit folgten die Soldaten und versanken zusammen mit ihr im Morast. Doch wer hätte es gedacht: An lauen Sommernächten klettert die Moorjungfer aus dem Moorauge, wirft ihr durchnässtes Kleid über und macht sich auf die Suche nach ihrem einstigen Dorf. Blöd nur, dass sie es nicht findet. So muss sie immer wieder kommen. Und wenn sie nicht versunken ist, dann geistert sie vielleicht sogar noch heute dort herum?

Die drei Jungfrauen aus dem Moor. Foto: Sonja Demmler

Die drei Jungfrauen aus dem Moor. Foto: Sonja Demmler

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