Radu Ferendino holt ein Stück Dolce Vita nach Würzburg. Foto: Dominik Röding
Radu Ferendino holt ein Stück Dolce Vita nach Würzburg. Foto: Dominik Röding

Radu Ferendino erweckt alte Espressomaschinen zu neuem Leben

Seit über 25 Jahren bereitet Radu Ferendino seinen Kaffee mit derselben Maschine zu: in einem Exemplar der legendären „Faema E 61“, welches er als Student im Italienurlaub erwarb. In liebevoller Kleinarbeit hat er es restauriert – und daraus ein Hobby gemacht, von dem heute auch seine Freunde profitieren.

Berühmteste Espressomaschine der Welt

Seinen morgendlichen Kaffee zelebriert Radu Ferendino ganz nach italienischer Machart. Mit Hörnchen, an der marmornen Küchenbar gelehnt, und einen Café Crema in der Hand – brühfrisch aus einer „Faema E61“, eine der wohl berühmtesten Espressomaschinen der Welt. Das Modell, gebaut von 1961 bis 1968, wurde schnell zum Liebling in italienischen Bars und zu einer Stil-Ikone, welche bis heute nichts von ihrer zeitlosen Eleganz verloren hat.

Zu Hause besitzt Radu Ferendino eine Sammlung historischer Espressomaschinen, darunter auch seine erste E61. Foto: Dominik Röding

Zu Hause besitzt Radu Ferendino eine Sammlung historischer Espressomaschinen, darunter auch seine erste E 61. Foto: Dominik Röding

Standard in Bars und Restaurants

Die E 61 mit ihrem für die damalige Zeit futuristischen Design setzte nach ihrer Markteinführung sofort neue Maßstäbe. „Ihr Funktionsprinzip liegt bis heute im Wesentlichen den Siebträgermaschinen zugrunde“, erklärt Herr Ferendino, „sie gilt als Mutter der modernen halbautomatischen Espressomaschinen.“ Nach Auslaufen des Patents wurde das bewährte Brühgruppenprinzip auch von anderen Kaffee­maschinenbauern übernommen und zum Standard in Bars und Restaurants weltweit.

In seiner Freizeit beschäftigt sich der Restaurator am liebsten in seiner Garagen-Werkstatt mit der Reparatur alter Maschinen. Foto: Dominik Röding

In seiner Freizeit beschäftigt sich der Restaurator am liebsten in seiner Garagen-Werkstatt mit der Reparatur alter Maschinen. Foto: Dominik Röding

Spontaner Einkauf

Das Exemplar aus glänzendem Chrom, welches Herr Ferendino sein Eigen nennt, wurde 1964 gebaut. Nachdem es 30 Jahre lang in einer Trattoria im Piemont vor sich hin dampfte und röchelte, erwarb es der Kaffeeliebhaber 1994 während eines Urlaubs vor Ort. „Wir tranken auf der Durchfahrt einen Espresso. Dort war die Kaffeemaschine gerade abgebaut und gegen eine neue ausgetauscht worden. Statt im Fahrzeug des Monteurs landete die alte Maschine für 100 000 Lire in meinem Kofferraum.“ Seitdem sind die beiden unzertrennlich. Schon in seiner Studenten-WG war er – oder, viel besser – seine Faema ein geschätzter Mitbewohner, sagt Herr Ferendino und lacht. Heute steht sie frisch aufpoliert in seinem Wohnzimmer, wo er seine Familie, Gäste und Freunde gerne mit selbst gebrühten Kaffeespezialitäten verwöhnt. Dafür nimmt er sich viel Zeit und achtet beim Mahlen, Dosieren und Brühen auf eine perfekte Zubereitung.

Das Innenleben einer Espressomaschine, die wieder auf Hochglanz poliert wurde. Foto: Dominik Röding

Das Innenleben einer Espressomaschine, welcher wieder auf Hochglanz poliert wurde. Foto: Dominik Röding

Werkstatt in der Garage

Beim Anblick der perfekt restaurierten Maschine kam bei einigen Bekannten die Frage auf, ob er für sie einen weiteren dieser „Oldtimer“ aus Italien besorgen und restaurieren könne. Und so begann Herr Ferendino, während seiner Italien­besuche nach weiteren alten Faemas Ausschau zu halten. In einer seiner beiden Garagen hat er sich eine kleine Reparaturwerkstatt eingerichtet.

Viele Teile sind notwendig, um eine Espressomaschine zum Brühen und Röcheln zu bringen. Foto: Dominik Röding

Viele Teile sind notwendig, um eine Espressomaschine zum Brühen und Röcheln zu bringen. Foto: Dominik Röding

Willkommene Abwechslung

Den Platz in der zweiten Garage nimmt ein altes Lancia Fulvia Coupé ein, welchen er ebenfalls während seiner Studentenzeit erworben hat. Das Auto wurde lange nicht bewegt. Herr Ferendino will ihm neues Leben einhauchen, ebenso wie den zahlreichen Kaffeemaschinen, welche auseinander gebaut auf den Arbeitstischen liegen. „Ich liebe alte Dinge und ich liebe es, sie wieder herzurichten.“ Nach seiner Arbeit als Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, wo er vor allem Bürotätigkeiten nachgeht, ist diese Arbeit nach Feierabend eine gelungene Alternative. „Da kriege ich meinen Kopf frei und kann mich ganz der Bastelei widmen.“ Zu einer perfekten Restauration gehört für ihn auch, möglichst viel des originalen Zustands zu erhalten. „Man soll sehen, dass die Maschine viele Jahre auf dem Buckel hat und ihre eigene Patina und Geschichte aufweist.“

Italienischer Genuss: Ein Hörnchen und ein Kaffee, dazu ein anregendes Gespräch, mehr braucht es nicht. Foto: Getty Images

Italienischer Genuss: Ein Hörnchen und ein Kaffee, dazu ein anregendes Gespräch, mehr braucht es nicht. Foto: Getty Images

Aromenreiche Genussmomente

Die Ersatzteilversorgung ist gut, auch, weil die E 61 eine der ersten Maschinen war, die am Fließband hergestellt wurden und dadurch in großer Zahl produziert werden konnten. „Und sie ist so gut wie unverwüstlich.“ Wie lange ein Auftrag dauert, ist unterschiedlich. „Wichtig ist es mir, ein perfektes Ergebnis abzuliefern.“ Dann feilt, putzt und schraubt er oft wochenlang, ehe aus dem alten verschmutzten Teil wieder ein Schmuckstück wird, welches seinen Besitzern viel Freude am Kaffeekochen und aromenreiche Genussmomente bereiten soll. Als Wertobjekt sieht Herr Ferendino die Maschinen nicht unbedingt an, auch wenn ihr Preis seit Jahren stetig steigt. Für ihn sind es Liebhaberstücke, welche Genuss und Hobby in einem Gerät vereinen. Und so wird auch weiterhin kein Tag vergehen, an welchem er nicht mindestens einen Café Crema in seiner E 61 brüht – und sich ein Stück Dolce Vita nach Würzburg holt.

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