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Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter
Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter

Auf Spurensuche mit Diplom-Biologin Karin Günter

Für die Diplom-Biologin Karin Günter ist eine Wiese wie ein „Tatort“: Für uns nur eine ganz gewöhnliche Wiese, liefert sie einem Botaniker mit geübtem Blick eine Menge Informationen. Wir haben die Biologin zum Gespräch getroffen. Dabei hat sie uns verraten, was sogenannte „Zeigerpflanzen“ sind und was diese über ihre Umgebung verraten.

Unterwegs mit Karin Günter

Wenn ich mit meinem Kollegen unterwegs bin, komme ich mir manchmal vor wie auf Spurensuche in einem Krimi. Doch unser „Tatort“ ist zum Beispiel eine ganz gewöhnliche Wiese. Auf den ersten Blick einheitlich grün mit vielen bunten Farbtupfern dazwischen, liefert sie einem Botaniker mit geübtemlick eine Menge Informationen. „Da drüben hat vor nicht allzu langer Zeit eine Bodenveränderung stattgefunden, eine Bearbeitung oder eine Ablagerung, die die ursprüngliche Vegetation zerstört hat“, erklärt mein Kollege. Man nennt solche Orte „Ruderalflächen“.

Zeigerpflanzen

Jetzt verstehe ich auch, warum sich in meinem umgestalteten Garten zum Beispiel an vielen Stellen das gewöhnliche Bitterkraut findet. Es ist eine sogenannte „Zeigerpflanze“ für Ruderalflächen. Unter Zeigerpflanzen versteht man meist Arten, aus deren Vorkommen man Rückschlüsse auf bestimmte Standortverhältnisse ziehen kann. Es sind sozusagen „diagnostisch“ einsetzbare Pflanzen. So gibt es Zeigerpflanzen für spezielle Bodeneigenschaften, etwa Sandzeiger wie die Sand-Silberscharte oder Säurezeiger wie den Kleinen Sauerampfer. Auch Klimabedingungen kann man an den vorhandenen Pflanzen ablesen.

Die Strand-Grasnelke kann viel Salz ertragen. Foto: Roland Günter

Die Strand-Grasnelke kann viel Salz ertragen. Foto: Roland Günter

Weinbauklima in Franken

In Unterfranken gibt es dafür ein einfaches Beispiel: den Wein. Man spricht deshalb auch vom „Weinbauklima“. Pflanzen sind unterschiedlich stresstolerant und können Stressfaktoren wie Mahd, Beweidung oder den Salzgehalt des Bodens anzeigen. Dass die Strand-Grasnelke, ein typisches Florenelement der Salzwiesen an der Meeresküste, häufig entlang von Autobahnen vorkommt, die im Winter gestreut werden, ist also kein Zufall.

Pflanzen über ihren Lebensraum

Sogar die Dynamik eines Lebensraums lässt sich anhand von Pflanzen nachvollziehen. So kann man an bestimmten Pflanzen erkennen, ob eine Fläche schon länger nicht mehr genutzt wird und „verbracht“ oder „versaumt“. Der Echte Dost (als „Oregano“ oder „Wilder Majoran“ bekannt) und die Bunte Kronwicke sind Beispiele für Brache- beziehungsweise Saumzeiger. Auch eine starke Trittbelastung lässt sich anhand von Zeigerpflanzen wie dem Breitblättrigen Wegerich oder dem Deutschen Weidelgras erkennen. Viele Pflanzen zeigen nicht nur einen, sondern mehrere Faktoren an. Aufgrund all dieser Erkenntnisse ist es schlüssig, dass Pflanzen, die ähnliche Vorlieben beziehungsweise Toleranzen für eine bestimmte Kombination von Standortfaktoren ausgebildet haben, an einem bestimmten Standort aufeinander treffen. Somit lässt sich ein Standort nicht nur aufgrund des Auftretens einzelner Arten beurteilen, sondern auch über das Vorkommen ganzer Pflanzengesellschaften.

Die Kronwicke ist ein Versaumungszeiger. Foto: Roland Günter

Die Kronwicke ist ein Versaumungszeiger. Foto: Roland Günter

Auf Spurensuche

Eine gute Kenntnis der Pflanzen und der Situation vor Ort ist wichtig für eine Beurteilung einer Fläche, da etwa auf überschwemmten Aueböden natürlicherweise nährstoffreichere Verhältnisse herrschen als beispielsweise auf einem trockenen Bergrücken. Auch Löwenzahn, ein typischer Stickstoffzeiger, kann nach der ersten Mahd in einer größeren Deckung vorkommen, weil er vom erhöhten Lichtangebot nach der Mahd profitiert.

Zur Person: Karin Günter

Die Diplom-Biologin ist bei der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken tätig. Ihr Mann Roland Günter präsentiert im Internet ein umfangreiches Naturbildarchiv, schreibt Naturreportagen für Zeitschriften und bietet Multivisionsvorträge an. Mehr Informationen hierzu findet man unter www.naturbildarchiv-guenter.de und www.makro-treff.de.

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