Nicht per se sinnvoll: Blühflächen. Foto: Roland Günter
Nicht per se sinnvoll: Blühflächen. Foto: Roland Günter

Natur im Fokus: Das Miteinander von Pflanzen

Überall grünt und blüht es. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum eine Pflanze genau dort wächst, wo sie wächst? Sie kennen es vielleicht aus Ihrem Garten, eine lichtliebende Pflanze fühlt sich im Schatten nicht wohl und eine Sumpfpflanze nicht in trockenen Bereichen. Aber das ist noch lange nicht alles. Unter bestimmten Standortverhältnissen gibt es Pflanzen, die „einfach gut miteinander können“, wie etwa Margerite und Schafgarbe. Das heißt, bei bestimmten Standortbedingungen wie Klima, Bodenart, Nutzung (z.B. Mahd) vergesellschaften sich Pflanzen mit ähnlichen ökologischen Vorlieben.

In bester Gesellschaft

Die Pflanzenarten stehen in einer permanenten Wechselbeziehung zueinander (z.B. Konkurrenz) und zu ihrer Umgebung. Bei minimalen Änderungen, beispielsweise in einem nasseren Jahr, können bestimmte Arten der Gesellschaft, die etwas mehr Feuchte bevorzugen, „Aufwind“ bekommen und besser wachsen als in anderen Jahren. Die Konkurrenzverhältnisse haben sich zeitweilig verschoben. Bei längerfristigen Änderungen der Standortfaktoren und zum Teil auch durch Eigendynamik können Pflanzengesellschaften aber auch dauerhaft in andere übergehen. Wenn eine Wiese oder ein Trockenrasen nicht mehr gemäht oder beweidet wird, kommen mit der Zeit mehr Gräser und Sträucher auf dieser Fläche vor, und die ursprüngliche Wiesen- oder Trockenrasen-Gesellschaft geht verloren.

Lebensraum schaffen

Pflanzengesellschaften haben sich oft über lange Zeiträume nahezu perfekt an die vor Ort herrschenden Klima- und Bodenverhältnisse angepasst. Die Pflanzengesellschaften bieten verschiedenen Tierarten einen Lebensraum, an den sich manche dieser Tierarten wiederum speziell angepasst haben.

Margerite und Wiesensalbei sind Teil einer Wiesengesellschaft. Foto: Roland Günter

Margerite und Wiesensalbei sind Teil einer Wiesengesellschaft. Foto: Roland Günter

Vorsicht bei Anlage von Blühflächen

Die Zusammenhänge in der Natur sind komplex. Deshalb möchte ich bei aller Freude über das „gewonnene“ Volksbegehren Artenvielfalt davor warnen, aus gut gemeintem Aktionismus beispielsweise Blühflächen in der Natur anzusäen. Diese „menschengemachten“ Blühflächen sind nicht mit über lange Zeit entstandenen, natürlichen Wiesen oder Randstreifen zu vergleichen und ersetzen diese nicht. Das oben beschriebene Gefüge von Pflanzenarten kann kaum durch Ansaaten imitiert werden, zumal auch die Saatgutgewinnung und das Keimverhalten vieler Arten komplex sind. Gebietsheimisches, sog. authochthones Saatgut bringt im Gegensatz zu Saatgut aus anderen Regionen oder gar Ländern an den Standort angepasste Pflanzen hervor. Aber die momentan sehr große Nachfrage nach regionalem Saatgut kann durch die Hersteller kaum bedient werden. Eine weitere Gefahr ist die Anlage von Blühflächen auf ehemaligen Ackerstandorten, da diese häufig noch mit Pestiziden belastet sind. Die eingesäten Pflanzen nehmen sie auf und geben sie an die Bestäuber weiter. Bei der Anlage von Blühflächen ist also Vorsicht geboten.

Aufwertung vorhandener Flächen

Letzten Endes sollte die Anlage einer Blühfläche eine Einzelfallentscheidung nach sorgfältiger Abwägung aller Faktoren sein. Nur dann können die gewünschten Ziele erreicht werden. Insgesamt ist es meist besser, vorhandene Flächen, die in einem für die Pflanzen- und Tierwelt ungünstigen Zustand sind, beispielsweise durch Entbuschung und Mahd oder Beweidung wieder aufzuwerten.

Zur Person: Karin Günter

Die Diplom-Biologin ist bei der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken tätig. Ihr Mann Roland Günter präsentiert im Internet ein umfangreiches Naturbildarchiv, schreibt Naturreportagen für Zeitschriften und bietet Multivisionsvorträge an. Mehr unter ww.naturbildarchiv-guenter.de und www.makro-treff.de.

Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter

Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter

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