Gemeinsam ist man stark. Foto: Getty Images
Gemeinsam ist man stark. Foto: Getty Images

Blickwinkel: Gemeinsam ist man stärker

Welche Folgen die Bindung an andere Menschen für unser Leben hat, erklärt Diplom-Psychologe Lorenz Wohanka.

Was ist Erfolg?

Liebe Leserin, lieber Leser, in meinem Beruf treffe ich täglich auf Menschen, die ihre Frau und ihren Mann im Leben stehen. Sie alle leben erfolgreich. Nur, was bedeutet Erfolg? Materieller Erfolg ist ein möglicher Aspekt; ich will einen zweiten betrachten: Für Menschen stellt sich Erfolg dann ein, wenn sie einen gelungenen Umgang mit sich, dem Nächsten und sprichwörtlich Gott und der Welt pflegen. Wir Menschen sind soziale Wesen, also auf das Leben in Gruppe und Gemeinschaft hin angelegt. Erfolg bedeutet deshalb, sich in eine Gruppe integrieren zu können und mit anderen Menschen zielführend zu kommunizieren.

Diplom-Psychologe Lorenz Wohanka. Foto: Lorenz Wohanka

Diplom-Psychologe Lorenz Wohanka. Foto: Lorenz Wohanka

Bedürfnis nach Bindung

Dafür bedarf es Trainings, denn so scheinbar selbstverständlich ein gekonnter Umgang auch erscheinen mag, er ist es nicht. Nach Sicht der Psychologie und Neurowissenschaft verfügen Menschen über ein starkes Bedürfnis nach Bindung. Plausibel erscheint das, wenn wir uns die enge kindliche Bindung an die Mutter, also eine Urerfahrung des Menschen, ansehen. Diese Bindungserfahrung prägt uns ein Leben lang. Im Gehirn wird im Hypothalamus, während erfolgreicher Bindungserfahrungen, Oxytozin ausgeschüttet. Dieses „Bindungshormon“ flutet förmlich das Gehirn einer jungen Mutter und sorgt so für eine enge Bindung an das eigene Kind. Oxytozin wird auch während erfolgreicher Bindungserfahrungen im späteren Leben ausgeschüttet und reduziert Ängste, weil es eine beruhigende Auswirkung auf den Mandelkern, einen Teil einer Angst und andere Emotionen verarbeitenden Hirnstruktur, hat.

Wichtige Integration

Wenn Sie sich also um vertrauensvolle Bindung und echte Würdigung anderer Menschen bemühen, hat das Auswirkungen, biologisch wie sozial. Der Verlust von Bindung führt bei Menschen zu sozialem Schmerz: Im selben Areal, in dem auch echter körperlicher Schmerz verarbeitet wird, entsteht eine hohe Aktivierung, wenn soziale Verbundenheit entzogen wird – beobachten Sie einmal den Schmerz von Kindern, die von einem Spiel ausgeschlossen sind, denen Erfolg im sozialen Sinn vorenthalten wird. Deshalb ist so wichtig, Menschen in Familien, Gruppen, Vereine, Gemeinschaften, Gesellschaft, Gemeinde, und Staat zu integrieren: Sie schaffen sich sonst Ersatzgesellschaften, mitunter zweifelhaften Charakters. Eine Ableitung für Sie selbst kann sein: Gehen Sie miteinander würdigend und gut um, erfüllen Sie sich und anderen Bindungsbedürfnisse – das hilft uns allen als Gesellschaft weiter. Wie das gelingen kann, erörtere ich im nächsten „Blickwinkel“.

Herzlichst, Ihr Lorenz Wohanka

Zur Person: Lorenz Wohanka

Lorenz Wohanka ist Diplom-Psychologe und führt eine eigene Praxis in Würzburg mit den Schwerpunkten Stressbewältigung, Psychosomatik sowie Coaching für Unternehmen in Mainfranken. Mehr Informationen zum Kursangebot finden Sie unter www.bohlig-balance.de oder unter Telefon (09 31) 99 13 14 15.

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT