Verbundenheit durch Streit. Foto: GettyImages
Verbundenheit durch Streit. Foto: GettyImages

Blickwinkel: Verbundenheit heißt Gott sei Dank nicht Harmonie

Warum es wichtig ist, seinem Gegenüber mitzuteilen, was man fühlt und denkt, erklärt Diplom-Psychologe Lorenz Wohanka.

Wunsch nach Verbundenheit

In der letzten Ausgabe hatte ich meinen Text dem menschlichen Wunsch nach Verbundenheit zu anderen Menschen gewidmet. Verbundenheit geht, wie schon gesagt, auf das elementare Grundbedürfnis nach Bindung, welches man bei uns Menschen nachweisen kann, zurück. Sie entsteht immer dann, wenn sich Menschen als eine Gemeinschaft, als ein Team begreifen. Dabei ist das Herstellen einer sogenannten Teamchemie nichts, was man dem Zufall überlassen sollte. Führungspersönlichkeiten sollten diese aktiv aufbauen und fördern, egal ob sie Mutter oder Vater in einer Familie oder Abteilungsleiter in einem Unternehmen sind.

Teamchemie durch Begeisterung

Eine gelungene Teamchemie erreichen wir, indem Menschen sich für das begeistern, was sie tun. Das bedeutet allerdings auch, dass Menschen nicht primär ausführende Wesen von Befehlsgewalt sind, sondern im Vertrauen auf ihre eigenen Fähigkeiten Lösungsansätze entwickeln und Unterstützung bei der Korrektur möglicher Fehler erhalten. So entsteht eine ganz alltägliche Lernsituation und Menschen erreichen neue Erfolge. Das klappt besonders dann gut, wenn Menschen sich in einer dauerhaften Rückmeldeschleife eingebunden sind. Unternehmen, die wirtschaftlich erfolgreich sind und eine gelungene menschliche Unternehmenskultur mit diesem Erfolg vereinen, leben vor allem diesen Mechanismus in hervorragender Weise.

Strukturiertes Feedback

Sie setzen ein ernsthaftes Feedback nach festgelegten Regeln um. Es geht dabei jetzt nicht darum, das eine Schema, die eine Regel zu finden, nach der Feedback funktioniert. Vielmehr seien Sie mutig und finden eine eigene, Ihrem Umfeld angemessene Herangehensweise an Rückmeldung. Das gelingt dann, wenn sie sich ihren Mitmenschen mitteilen. Sie können dem Gegenüber auf der Ausdrucks-Ebene, mit Ihrer Mimik, durch die Tonlage Ihrer Stimme, Ihre Sprechgeschwindigkeit und Ihre Sprache einen Gesamteindruck verschaffen, der unschätzbar wertvoll ist. Fangen Sie an, sich und dem Gegenüber Rückmeldung zu geben: lassen Sie ihn oder sie wissen, was Ihnen aus welchen Gründen ge- oder auch missfällt. Unterschiede sind etwas Positives und Verbundenheit entsteht auch dort, wo Menschen streiten. Denn Streit ist auch eine Art von Rückmeldung. Das Englische kennt einen wundervollen Ausdruck: „We agree to disagree.“: Verbundenheit heißt Gott sei Dank nicht Harmonie!

Zur Person: Lorenz Wohanka

Lorenz Wohanka ist Diplompsychologe und führt eine eigene Praxis in Würzburg mit den Schwerpunkten Stressbewältigung, Psychosomatik sowie Coaching für Unternehmen in Mainfranken. Mehr Informationen zum Kursangebot finden Sie unter www.bohlig-balance.de oder unter Telefon (09 31) 9 913 14 15.

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