Auch um Streit sollte man eine Verbindung zum Gegenüber suchen. Foto: GettyImages
Auch um Streit sollte man eine Verbindung zum Gegenüber suchen. Foto: GettyImages

Blickwinkel: Verbindung im Streit

Warum es wichtig ist, auch im Streit eine Verbindung zum Gegenüber zu suchen, erklärt Diplom-Psychologe Lorenz Wohanka.

Verbundenheit ist nicht gleich Harmonie

Im letzten Artikel hatten wir gemeinsam festgestellt, dass Verbundenheit anderen Menschen gegenüber nicht zwangsläufig bedeutet, Harmonie zu pflegen. Sie kann ein Ergebnis von vielen möglichen Ergebnissen der Gespräche zwischen Menschen sein. Wenn wir uns diese Harmonie zum Ziel setzen, dann werden wir oft herb enttäuscht. Denken Sie nur daran, wie oft im Familienkreis an Feiertagen, die geradezu nach Harmonie zu schreien scheinen, das Gegenteil entsteht und Menschen sich damit überhaupt nicht wohl fühlen. Worin wir Menschen nämlich nicht unbedingt gut sind ist, Konflikte mit anderen offen und wertschätzend auszutragen. Auseinandersetzungen gipfeln häufig in extremen Sichtweisen wie „Du bist für oder gegen mich!“

Kommunikation als Brücke

Immer wieder fällt mir in meiner Arbeit auf, dass Menschen in solchen Situationen den Gesprächsfaden abreißen lassen: In Konflikten wird dann schnell formuliert, dass all das Reden ja doch nichts nütze und es am Ende die Gegensätze nicht überwinden könne. Leider zeigt sich hierin eine stark eingeschränkte und nur auf einen möglichen Nutzen ausgerichtete Sicht auf das Gespräch: Nur wenn es gelingt, Gegensätze auszuräumen, dann ist Kommunikation offensichtlich erfolgreich. Was versteckt sich für eine Anmaßung in einer solchen Haltung? In erster Linie schlägt das direkte Gespräch eine notwendige Brücke. Eine Brücke zwischen Menschen, die sowohl gleich als auch unterschiedlich denken. Kommunikation dient dabei nicht der Verwischung und Unkenntlichmachung von Unterschieden. Vielmehr liegt ein Wert an sich darin, den anderen Menschen und seine Gedanken kennen zu lernen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und gegebenenfalls die Unterschiedlichkeit festzustellen und konsequent zu leben.

Darstellung des eigenen Standpunkts

So lernen wir gerade in Streit und in der Auseinandersetzung mit gegenteiligen Sichtweisen, unseren eigenen Standpunkt offen einzunehmen und innerlich wie äußerlich zu sortieren und so geordnet nach außen darzustellen. Indem Menschen miteinander sprechen, erhalten Sie eine Verbindung zueinander. Erst wenn diese gerissen ist, nehmen Distanz und Unwissen über den anderen Menschen zu. Also, reden Sie mit anderen, auch wenn es manchmal schwerfallen mag!

Zur Person: Lorenz Wohanka

Lorenz Wohanka ist Diplompsychologe und führt eine eigene Praxis in Würzburg mit den Schwerpunkten Stressbewältigung, Psycho­somatik sowie Coaching für Unternehmen in Mainfranken.

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