Ludwig Paul: Geschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: Dominik Röding
Ludwig Paul: Geschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: Dominik Röding

Mein Büro: Der Windmacher Ludwig Paul

Seit Ende vergangenen Jahres ist Ludwig Paul neuer Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. Seine Laune ist dabei so gut wie die Stimmung der Handwerkerschaft.

Der frühe Vogel?

Er kommt spät ins Büro, er geht dafür aber auch spät nach Hause. Ein Frühaufsteher war er nämlich noch nie. Seinen Arbeitstag beginnt Ludwig Paul daher meist nicht vor neun Uhr. Seit Dezember 2017 ist er Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken in Würzburg. Er hat die Nachfolge von Rolf Lauer angetreten, der das Amt zwölf Jahre innehatte und in den Ruhestand getreten ist. Er gehe jeden Tag gerne ins Büro, von dem aus man einen herrlichen Blick auf den Würzburger Ringpark hat. „Einen schöneren Arbeitsplatz kann ich mir kaum vorstellen.“Seine Freude an der Arbeit hängt aber auch mit der Region und den Menschen, die darin leben, zusammen. „Mainfranken ist ein derart lebenswerter Landstrich, und dazu gehören auch die Menschen mit ihren Charaktern und Eigenarten.“ Geboren und aufgewachsen ist der gesellige 53-Jährige in Aschaffenburg. Sein Vater war Schreinermeister, ein Handwerk wollte der Sohn aber nicht erlernen. Er wurde chemisch-technischer Assistent und war 14 Jahre lang als Abfallberater bei der Stadt Schweinfurt tätig. In dieser Zeit absolvierte er ein Studium zum Betriebswirt und stieg zum stellvertretenden Betriebsleiter beim Servicebetrieb Bau und Stadtgrün auf, wo er auch Leiter der Verwaltung des Gesamtbetriebes war.

Frischer Wind für die Kammer

Seit Dezember leitet er nun in Würzburg eine Einrichtung, die einerseits Behörde mit staatlichem Auftrag ist, andererseits die handwerkliche Selbstverwaltung organisiert. Viel Zeit verbringt er dabei außerhalb seines Büros. Als Interessensvertreter des Handwerks bei politischen und rechtlichen Angelegenheiten, ebenso wie bei Terminen regionaler Handwerksorganisationen. „Das Amt bietet eine abwechslungsreiche Aufgabenvielfalt.“ Und eine Menge unterschiedlicher Charaktere. 90 Innungen, 130 Gewerke, 500 neue Meister pro Jahr, 18 500 Betriebe, teilweise hochspezialisiert, mit rund 95 000 Beschäftigten. In dieser Gemeinschaft versteht sich Herr Paul als Moderator, der Interessen zusammenbringen und die Dinge nach vorne bringen will. Vor allem aber will er frischen Wind in die Kammer bringen. Er sucht dabei immer den direkten Kontakt zu Betrieben und nimmt sich Zeit zum Zuhören. „Ich möchte quasi selbst zu einem Mitarbeiter des Betriebs werden und die Probleme verstehen.“ Nur so kann richtig geholfen werden.

Probleme werden angepackt

Dieser Dienstleistungsgedanke zeichnet die Arbeit der Kammer aus, in der rund 200 Mitarbeiter für alle Fragen zur Verfügung stehen. Einen Vorteil im Kammerleben sieht er in der Art, wie die Handwerkerschaft Probleme angeht. „Was unsere Mitglieder auszeichnet, ist ihr Pragmatismus.“ Es wird nicht lange herumgefackelt, es wird angepackt. Gleichwohl wissen die Handwerksbetriebe in Unterfranken mit der Kammer eine Einrichtung hinter sich, die „enorm viel bietet“. Etwa im Bildungsbereich. An drei Standorten und in fünf Einrichtungen werden Azubis fit gemacht für ihre berufliche Zukunft. Wer schon eine Weile in seinem Beruf tätig ist, kann das Weiterbildungsangebot nutzen. Rund 3 000 Ehrenamtliche sind zudem in der Selbstverwaltung des Handwerks in der Region aktiv, zum Beispiel im Prüfungswesen. Arbeitgeber können die Dienste von Unternehmensberatern in Anspruch nehmen oder Unternehmensnachfolgen regeln lassen. Zu tun gibt es zuhauf – die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. „Die Stimmung war noch nie so positiv wie heute.“ Lediglich der Mangel an Fachpersonal und Nachwuchs bremst die florierenden Geschäfte in Unterfranken. „Das Handwerk hat goldenen Boden, heute mehr denn je“ – und wird wieder zunehmend attraktiver. „Der Negativtrend ist gestoppt.“

Humor im Alltag

Seinen Feierabend verbringt Ludwig Paul am liebsten im Kreis seiner Familie, seinen Kopf schwimmt oder läuft er sich frei. Auch privat stellt er als Sitzungspräsident der „Schwarzen Elf“, der Faschingsgesellschaft der Kolpingsfamilie in Schweinfurt, seine Führungsqualitäten unter Beweis. „Ich bin ein echter Faschingsnarr.“ Über 5 000 Besucher kommen jedes Jahr zu den Veranstaltungen. „Und das freiwillig“, sagt er und lacht. Wer Herrn Paul kennt, schätzt seine freundliche und jecke Art, die er auch im Büro an den Tag legt. „Ich war noch nie ein ernster Typ – auch im Alltag bewahre ich meinen Humor.“

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