Autor Roman Rausch entdeckt ungelöste Rätsel der Residenz. Foto: Biscan
Autor Roman Rausch entdeckt ungelöste Rätsel der Residenz. Foto: Biscan

Der Tiepolo-Code: ungelöste Rätsel der Würzburger Residenz

Für seinen neuen Kriminalroman warf Autor Roman Rausch einen genauen Blick auf das Deckenfresko der Würzburger Residenz – und entdeckte dabei ungelöste Rätsel.

Tiepolo: Herr Rausch, warum haben Sie einen Krimi über das Deckenfresko der Würzburger Residenz verfasst?

Roman Rausch: Weil es einzigartig ist auf der Welt. Hier wurde auf einer Fläche von fast 700 Quadratmetern etwas Unvorstellbares geschaffen, vor dessen Pracht selbst die sixtinische Kapelle zurücktreten muss. Und zum anderen, weil es so geheimnisvoll ist. Nicht nur handwerklich sorgt das Fresko bis heute für Aufsehen. Auch inhaltlich inspiriert es zu Fragen.

Tiepolo:Wurden nicht bereits alle Fragen von der Wissenschaft geklärt?

Roman Rausch: Nein. Viele Details des Bildes sind bis heute unverständlich. Da gibt es einen Stein mit armenischen Schriftzeichen. Niemand kann seine Aussage deuten. An anderer Stelle, neben dem Würzburger Fürstbischof Greiffenclau, also direkt im Zentrum der Macht, ist ein Kopf ohne Gesicht zu sehen. Es wurde nicht vergessen, es ist bewusst weggelassen worden. Warum? Hat Tiepolo geheime Botschaften hinterlassen, die er offen auszusprechen nicht gewagt hatte?

Tiepolo: Gibt es einen Tiepolo-Code im Fresko?

Roman Rausch: Ja, und ihn zu lösen habe ich mir zur Aufgabe gemacht, als ich das Buch schrieb. Ich habe über ein Jahr lang daran recherchiert. Ich hatte dabei Kontakt mit vielen Wissenschaftlern und Experten und las alte Aufzeichnungen aus dem Staatsarchiv. Auch hier stieß ich wieder auf Ungereimtheiten: Just für die Jahre, in denen Tiepolo in der Residenz arbeitete, fehlen wichtige Unterlagen. Ein Zufall? Keine Ahnung. Ich bleibe auch weiterhin am Fall Tiepolo. Dafür muss ich aber nach Venedig, wo Tiepolo lebte, und weitere Nachforschungen anstellen.

Deckenfresko der Würzburger Residenz. Foto: Bayrische Schlösser- und Gartenverwaltung

Deckenfresko der Würzburger Residenz. Foto: Bayrische Schlösser- und Gartenverwaltung

Tiepolo: Auf was darf sich der Leser freuen?

Roman Rausch: Mein Buch versucht, ein Porträt des verschwenderischen Hoflebens in fürstbischöflichen Zeiten zu schildern. In diesem geistlichen Palast herrschte keine Zimmermannskultur, hier wurde weltlich und verschwenderisch gefeiert. Darin eingewoben ist die Geschichte von Tiepolos Sohn Lorenzo, der in der Residenz unheimlichen Vorgängen nachgeht und ein tödliches Komplott entdeckt.

Tiepolo: Wozu die englische Buchversion?

Roman Rausch: Sie ist für ausländische Residenz-Besucher gedacht. Nach der Rückkehr in die Heimat können sie noch einmal Tiepolos Geheimnissen auf den Grund gehen.

Tiepolo: Über welches Gebäude könnte man noch einen Krimi schreiben?

Roman Rausch: Allen voran über die Festung Marienberg, besser gesagt: ihren Untergrund. Denn ihre Geheimnisse liegen nicht in der Burg, sondern im Berginneren begraben.

Zur Person: Roman Rausch

Der Autor, 1961 in Mainfranken geboren, lebt in Berlin und ist als Autor historischer Romane bekannt. Unter dem Alter Ego „Jo Kilian“ veröffentlicht er Kiriminalerzählungen. Mehr unter www.romanrausch.

Infokasten: Buch-Tipp

„Tiepolos Geheimnis“ von von Jo Kilian, 128 Seiten, Verlag Echter Würzburg, ISBN 9-783-429-044-152.

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