Conny Hügelschäffer sammelt in Volkach alte Druckmaschinen. Foto: Dominik Röding
Conny Hügelschäffer sammelt in Volkach alte Druckmaschinen. Foto: Dominik Röding

Von Hand gedruckt: Conny Hügelschäffers Leidenschaft

Conny Hügelschäffer sammelt in Volkach alte Druckmaschinen, die keiner mehr braucht – und setzt sie wieder in Gang.In ganz Europa gibt es nur noch ein paar Dutzend vergleichbarer Liebhaber-Werkstätten, wo die Schwarze Kunst ebenso gepflegt und angewandt wird wie in der Druckerei Hügelschäffer in Volkach. Es war Ende des 19. Jahrhunderts, als der maschinelle Bleisatz aufkam und über einen Zeitraum von beinahe achtzig Jahren Bestand hatte. Mitte der sechziger Jahre erfolgte der Wechsel vom „heißen“ zum „kalten“ Satz – die Umstellung von Bleisatz auf Fotosatz. Seitdem sind die Maschinen aus alter Zeit eine Angelegenheit für Museen – oder für passionierte Liebhaber wie Conny Hügelschäffer.

Mit Leib und Seele

Durch seine Adern fließt Drucker­schwärze. Schon sein Vater führte eine Druckerei, über der die Familie wohnte. Die 1924 gegründete Druckerei war bis weit in die siebziger Jahre eine reine Buchdruckerei. „Die Maschinen, der Geruch, die Geräusche, das ist mir schon immer vertraut gewesen.“ Es war ihm früh klar, dass er den Beruf seines Vaters ergreifen würde. Heute hat er eine eigene Akzidenzdruckerei in Mainbernheim, sein Sohn führt die Familientradition fort und ist dort seit kurzem Geschäftsführer. So findet er mehr Zeit, sich um seine Schätze in Volkach zu kümmern.

Durch seine Adern fließt Druckerschwärze. Foto: Dominik Röding

Durch seine Adern fließt Druckerschwärze. Foto: Dominik Röding

Faszination Buchdruck

Was ihn am alten Handwerk reizt, ist der Umgang mit den Maschinen, die er über viele Jahre hinweg auf Flohmärkten und bei Geschäftsauflösungen ergattert hat. „Die alte Buchdrucktechnik fasziniert zum einen durch ihre kulturhistorische Bedeutung, zum anderen ist sie aber auch einfach ein wundervolles und kreatives Handwerk.“ Hat man eine der Drucksachen in der Hand, kann man den Unterschied spüren. Das handgeschöpfte Papier mit seiner Struktur, die Buchstaben, die man mit den Fingerspitzen ertasten kann, das Perfekte im Unperfekten, wenn ein Letter nicht ganz durchgedrückt wurde. Zuletzt hat er eine Abziehpresse restauriert. Damit kann er nun Papiere im Posterformat bedrucken. Daneben stehen ein Heidelberger Tiegel und eine Monotype. „Zusammen mit der zeitgleich entwickelten Linotype revolutionierte sie den Vorgang des Setzens. Bis zum Ende der Bleisatzära in Deutschland Anfang der achtziger Jahre waren beide Systeme gängige Technik“, erklärt er fachkundig.

Tradition erhalten

Ebenso imposant ist der Blick auf die vielen Schränke mit den Setzkästen, in denen die Lettern verwahrt sind. Teilweise sind sie noch originalverpackt wie etwa ein Satz für eine Frankfurter Zeitungsdruckerei aus den sechziger Jahren. Antiqua, Fraktur, Schmuck- oder Jugendstilschriften – in den Schränken ruhen die Lettern aus Metall, Kunststoff und Holz, weil sie niemand mehr braucht, und überdauern die Zeit. Auch Stehsätze, jahrzehntealt, finden sich darin, vorwiegend für Bier- und Weinetiketten. Ein kulturhistorischer Schatz, für dessen Erhalt Conny Hügelschäffer weiterhin sorgt.

Die historische Werkstatt von Conny Hügelschäffer. Foto: Dominik Röding

Die historische Werkstatt von Conny Hügelschäffer. Foto: Dominik Röding

Kunst des Drucks erlernen

Die Nachfrage nach seinen Leistungen nimmt zu. Momentan setze sich mit „Letterpress“ eine neue Bewegung in Gang. „Die Menschen legen wieder Wert auf Haptik und Handwerk.“ Auf Anfrage richtet er Workshops aus, in denen man mehr über die Kunst des Drucks erfährt und selbst Hand anlegen darf. Beliebt sind die Kurse, in denen Teilnehmer eigene Linolschnitte anfertigen, mit denen sie dann Weinetiketten bedrucken können. Hin und wieder lassen Kunden bei ihm auch Visitenkarten in Auftrag geben. Karten, Gästebücher, Grußkarten, ja sogar ein Memory finden sich unter den Dingen, die er selbst entworfen und gedruckt hat.

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT