Kriminalhauptkommissar Marco Haßmüller an seinem Arbeitsplatz. Foto: Dominik Röding
Kriminalhauptkommissar Marco Haßmüller an seinem Arbeitsplatz. Foto: Dominik Röding

Mein Büro: Kriminalhauptkommissar Marco Haßmüller

Kriminalhauptkommissar Marco Haßmüller ist immer dann zur Stelle, wenn möglicherweise ein Mord begangen wurde. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die keine Fehler verzeiht.

Die Realität eines Ermittlers

Wer glaubt, die Haupttätigkeit eines Kommissars liege in halsbrecherischen Verfolgungsfahrten und knallhart geführten Verhören, der irrt sich. „Die meiste Zeit des Tages verbringe ich mit dem Verfassen von Berichten“, sagt Marco Haßmüller. Der 43-jährige Kriminalhauptkommissar ist in Würzburg als Ermittler bei Kapitalverbrechen tätig. Mit den Methoden, wie man sie aus TV-Krimis kennt, hat seine Arbeit nur wenig gemein. Gleichwohl: Es gibt keinen anderen Beruf, in dem man tiefer und weiter hinter die Kulissen von Gesellschaft und Menschen blicken kann. „Und das ist das eigentlich Spannende an meinem Beruf.“ Wohl auch aus diesem Grund hat er sich für eine Ausbildung bei der Polizei entschieden.  Seit 2000 verrichtete er Streifendienst in Aschaffenburg und Würzburg, bei der Schutzpolizei. Zum Kriminaldauerdienst (KDD) der Kriminalpolizei in Würzburg wechselte er 2011, vor einem Jahr kam er ins Kriminalfachdezernat 1, zuständig für Tötungs-, Brand- und Sexualdelikte. Seit seiner Zeit beim KDD hat er mehr als 200 Leichen gesehen und sich das Handwerkszeug eines Ermittlers angeeignet.

Hinter den Kulissen

Besteht der Verdacht eines Tötungsdeliktes oder kann eine Fremdeinwirkung nicht ausgeschlossen werden, übernehmen Marco Haßmüller oder seine Kollegen. Pro Jahr sind es mehrere hundert ungeklärte Fälle, die sich im Gebiet der Würzburger Inspektion anhäufen und einer Aufklärung bedürfen. Dementsprechend viel gibt es zu tun. Ab sieben Uhr morgens ist er im Büro und verschafft sich einen Überblick über alle Geschehnisse der vergangenen Stunden. Es folgt eine Frühbesprechung mit den Kollegen, ehe es an die eigentliche Arbeit geht, bei der sich jeder um seine ihm zugewiesenen Fälle kümmert. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn als zuständiger Sachbearbeiter gibt er die Stoßrichtung vor und hat es in der Hand, den Fall zu lösen – oder nicht. „Hinter jedem Verbrechen stehen menschliche Schicksale, deswegen darf ich mir keine Fehler erlauben.“

Fakten und gesunder Menschenverstand zählen

Obwohl um 16 Uhr offizielles Dienstende ist, sieht man ihn bisweilen bis in die Abendstunden über Aktenordnern sitzen, wenn es die aktuellen Entwicklungen in einem Fall erfordern. „Nicht immer findet man dabei alle Puzzleteile, oft genug ergibt sich erst nach langer und zäher Ermittlungsarbeit ein vollständiges Bild, mit dem man den Täter überführen kann.“ Das ist mitunter sehr frustrierend. Erst recht, wenn man mit leeren Händen vor den Opfern oder Angehörigen steht und ihnen kein Ergebnis präsentieren kann. Von seinen Gefühlen darf er sich nicht leiten lassen. Es zählen alleine die Fakten und der gesunde Menschenverstand. „Niemals voreilig handeln, Ruhe bewahren,  alle beteiligten Parteien anhören“, lautet die Maxime. Unerlässlich ist der ständige Austausch mit Kollegen, die oft auch konträre Schlüsse aus den Fakten ziehen. In Unterfranken leistet die Kriminalpolizei solide Arbeit. 2016 ereigneten sich laut Sicherheitsbilanz 56 612 Straftaten, wovon 70,1 Prozent aufgeklärt werden konnten. 54 Fälle davon waren Straftaten gegen das Leben. Sie landen bei Herrn Haßmüller oder einem seiner Kollegen auf dem Tisch.

Unter die Haut

Aktuell ermittelt er unter anderem in zwei Fällen, bei denen als Tatwaffe ein Messer zum Einsatz kam. In einem Fall wurde eine Person getötet, während es im anderen lediglich zu leichten Verletzungen kam. Ein Messer spielte auch in seinem zuletzt abgeschlossenen Fall eine Rolle, in dem ein Mann seine Freundin auf einer Brücke im Auto erstochen und sich danach selbst in den Tod gestürzt hat. Manche Delikte hingegen bleiben aber auch, trotz aller Bemühungen, nach Jahren ungelöst. Und bisweilen gehen die Fälle unter die Haut und belasten stark. „Wenn ein Mensch lange gequält wurde oder Kinder Opfer eines Verbrechens wurden, beschäftigt mich das sehr. Aber damit muss man umgehen können, sonst ist man falsch in diesem Beruf.“ Gefährliche Situationen, in denen er um sein Leben fürchten musste, hat er noch nicht erlebt. „Wenn wir an einem Tatort erscheinen, ist das Verbrechen ja schon passiert.“ Ohne Dienstwaffe und in Begleitung eines Kollegen geht er dennoch nie aus dem Haus. Es ist eben kein Beruf wie jeder andere.

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