Der Würzburger katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose. Foto: Pat Christ
Der Würzburger katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose. Foto: Pat Christ

Seid laut: Wir haben etwas einzubringen

Der Würzburger katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose plädiert in seinem neuen Buch für ein politisch engagiertes Christentum. Burkhard Hose geht seit vielen Jahren gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus auf die Straße.
Der katholische Hochschulpfarrer setzt sich für Flüchtlinge und andere Minderheiten ein. Für ihn ist politisches Engagement fester Bestandteil der Seelsorge. Jetzt hat er ein neues Buch geschrieben: „Seid laut“ versteht sich als „Plädoyer für ein politisch engagiertes Christentum“. Im Interview erklärt er, was er darunter versteht.

Tiepolo: Herr Hose, in Ihrem Buch fordern Sie Christen auf, sich politisch zu engagieren, laut zu sein. Warum?
Burkhard Hose: Wir erleben, dass sich immer mehr Leute in der Politik auf das Christentum berufen. Längst ist das Christliche Thema in der Politik, aber zu meiner Verwunderung zusehends ohne die Kirchen und die Christen. Mich beschäftigt die Frage: Was können wir als Christen positiv zur Gestaltung der Gesellschaft einbringen? Und meine Grundannahme ist: Wir haben etwas einzubringen.

Tiepolo: Die christliche Botschaft hat politische Relevanz. Wäre Jesus heute wie Sie auf die Straße gegangen?
Burkhard Hose: Jesus von Nazareth war auf der Straße. Das war das Besondere an ihm, damit hat er zu Lebzeiten provoziert. Er hat auf der Straße Sünden vergeben, und zwar in einer Form, die eigentlich dem Kult im Tempel vorbehalten war. Hier das Heilige, dort das Profane, diese Unterscheidung aufzulösen, zeichnete Jesus aus.

Tiepolo: Gibt es weitere Beispiele für politisches Engagement in der Bibel?
Burkhard Hose: Jesus steht in einer Linie mit den Propheten im Alten Testament. Amos und Hosea klagen die Ungerechtigkeit ihrer Zeit an und kritisieren gleichzeitig die Selbstgenügsamkeit der Religion. Während die einen mit großer Perfektion Gottesdienste feiern, verhungern draußen die Leute. Amos findet da im Namen Gottes scharfe Worte: Ich hasse eure Feste, ich kann eure Lieder nicht mehr hören, ich verachte eure Opfer.

Tiepolo: Was entgegnen Sie Menschen, die sagen, die Kirche solle sich ums Seelenheil ihrer Schäfchen kümmern statt sich in
Politik einzumischen?
Burkhard Hose: Denen sage ich, diese Trennung geht einfach nicht auf. Wenn ich alte Menschen sehe, die in der Dunkelheit Flaschen sammeln, dann hat das etwas mit Seelenheil zu tun. Und gleichzeitig ist es Politik. Diese Trennung gilt nicht, die galt
auch für Jesus nicht. Er war sich von Anfang an der politischen Relevanz seiner Botschaft bewusst, weil er sich um die Menschen und deren Nöte gesorgt hat.

Tiepolo: Verzweifeln Sie manchmal, wenn Sie die aktuelle politische Realität erleben?
Burkhard Hose: Gerade in den letzten Wochen gab es Augenblicke, wo ich mich gefragt habe: Wie weit soll es noch gehen mit der Entmenschlichung der Politik? Einer Politik, die letztlich Menschen tötet. Menschen ertrinken im Mittelmeer, weil Seenotrettungsschiffe nicht auslaufen dürfen. Gleichzeitig sprechen Politiker von Asyltourismus. Das ist zynisch. Dieser Zynismus lässt mich an meine Grenzen kommen, da spüre ich sehr wohl Verzweiflung.

Buchtipp

„Seid laut!“ von Burkhard Hose, erschienen im Vier-Türme-Verlag, gebunden mit Schutzumschlag, 144 Seiten, ISBN
978-3-7365-0155-3

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