Die sieben Brenner des Vereins „Rosenhut“ bei der gemeinsamen Jubiläumsfeier im Juli in Schlüsselfeld. Foto: Dominik Röding
Die sieben Brenner des Vereins „Rosenhut“ bei der gemeinsamen Jubiläumsfeier im Juli in Schlüsselfeld. Foto: Dominik Röding

Brennervereinigung „Rosenhut“ feiert 25-jähriges Jubiläum

In kaum einem anderen deutschen Landstrich werden mehr Destillate hergestellt als in Franken – und das vielerorts auf höchstem Niveau. So auch bei den sieben Mitgliedsbetrieben der Brennervereinigung „Rosenhut“, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiern kann.

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Es sind zumeist kleine, familiär geführte Brennereien, die schon seit vielen Generationen die hohe Kunst des Destillierens von Kern-, Stein- und Beerenobst praktizieren.

Frankens Brennervereinigung „Rosenhut“ besteht seit 25 Jahren. Foto: Rosenhut e.V.

Frankens Brennervereinigung „Rosenhut“ besteht seit 25 Jahren. Foto: Rosenhut e.V.

Frisch & vollreif

Um das Beste aus den Früchten herauszuholen, pflegen sie Streuobstwiesen, rekultivieren längst vergessene Sorten und zahlen ihren Vertragsbauern mehr als der Großmarkt. Verwendet werden ausschließlich frische und vollreife Früchte, ohne Blatt und ohne Stiel. Als Franken, die ihre Heimat lieben, setzen sie sich dafür ein, dass die Streuobstwiesenkultur mit ihrer Vielfalt an Früchten – Wiege der feinen Brände und Augenschmaus zu Zeiten ihrer Blüte – erhalten bleibt.

Strenge Qualitätsrichtlinien

Rund 2 700 der 5 000 Kleinbrenner in Bayern finden sich in den fränkischen Landen. Um sich in dieser Masse auch überregional behaupten zu können, bedarf es herausragenden Engagements und eines schlüssigen Verkaufs­konzepts. „Rosenhut“ ist eine Dachmarke, unter der die Edelbrenner vom Untermain bis hin zur Fränkischen Schweiz erstmalig am 1. Juni 1994 im Rathaus Bürgstadt zusammentraten, um fortan gemeinsame Sache zu machen. Ihr Erkennungszeichen ist die gemeinsame Rosenhut-Banderole am Korken der individuell gestalteten Flaschen. Sie garantiert die Einhaltung der strengen Qualitätsrichtlinien der Prüfungsordnung, der sich jeder Rosenhüter unterwirft. Das Gütesiegel erhalten nur die Brände, die nach den strengen Qualitätsrichtlinien ohne Zucker hergestellt werden. Längst zählen zum Sortiment auch Whisky, Wodka, Gin und verschiedene Rum-Kreationen, die man deutschlandweit in ausgesuchten Feinkostabteilungen und Restaurants findet.

Die Brände, Geister und Liköre der Brennervereinigung Rosenhut überzeugen durch höchste Qualität und einmalige Geschmackserlebnisse. Foto: Dominik Röding

Die Brände, Geister und Liköre der Brennervereinigung Rosenhut überzeugen durch höchste Qualität und einmalige Geschmackserlebnisse. Foto: Dominik Röding

Enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern

Gemeinsames Ziel ist es laut Vereinsstatut, „eine Qualitätssteigerung bei der Veredelung sortentypischer fränkischer Früchte zu Edelbränden, die Pflege und Weiterentwicklung der regionalen Trinkkultur und den Bestand von Streuobstwiesen zu fördern“. Die Brenner arbeiten eng mit Wissenschaftlern zusammen. An der Universität Hohenheim lassen sie in sensorischen Verkostungen die Qualität der klaren Erzeugnisse überprüfen und den Inhalt analysieren. Übrigens: „Rosenhut“ als technischer Begriff steht für den tütenförmigen, kupfernen Aufsatz über dem Kessel der Brennerei im Mittelalter, an dem das Destillat teilweise kondensierte. Er erinnert an die Hutmode der Damen der damaligen Zeit, und hat von daher auch seinen Namen.

Brenner-Credo

Die „Rosenhüter“ sind im besten Sinne des Wortes eigenwillig und wollen nichts anderes als wirklich gute Produkte produzieren. „Rosenhut ist die handwerkliche Kunst, die Seele der Frucht ins Glas zu bannen“, sagt Vorsitzender Joachim Fischer über das Brenner-Credo der Vereinigung.

Joachim Fischer aus Wiesentheid, Vorsitzender der Brennervereigung "Rosenhut", ist Winzer und Brenner aus Leidenschaft. Foto: Dominik Röding

Joachim Fischer aus Wiesentheid, Vorsitzender der Brennervereigung „Rosenhut“, ist Winzer und Brenner aus Leidenschaft. Foto: Dominik Röding

Interview: „Wir holen das Beste aus jeder Frucht“

Joachim Fischer aus Wiesentheid ist Brenner aus Leiden­schaft und Rosenhut-Vorsitzender. Im Interview blickt er auf die vergangenen 25 Jahre zurück und gibt einen Einblick in die künftigen Entwicklungen des Vereins und der Brennkultur.

Tiepolo: Herr Fischer, seit 25 Jahren bilden Sie mit ihren Kollegen die Speerspitze der fränkischen Brennereikultur. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?
Joachim Fischer: „Rosenhut“ heißt, mit Liebe und Feingespür zu destillieren, also ein Brennen in seiner einfachsten und reinsten Form. Ich denke, darin liegt unser Erfolg begründet. Wir messen den Produkten und unserer Arbeit großen Wert zu und versuchen deshalb, das Beste aus jeder einzelnen Frucht herauszuholen. Und das schätzt der Konsument.

Frisch geerntete Quitten im Herbstlaub. Foto: Philipp Wieder

Frisch geerntete Quitten im Herbstlaub. Foto: Philipp Wieder

Hohe Qualitätsstandards

Tiepolo: Stand diese Maxime von Beginn an im Mittelpunkt Ihrer Bestrebungen?
Joachim Fischer: Als wir uns 1994 zum ersten Mal in Bürgstadt trafen, um uns zu einer Werte­gemeinschaft gleichgesinnter Brenner zusammen zu schließen, wurde der Grundstein gelegt für einen hochwertigen Markenauftritt in der Öffentlichkeit. Unser Maßstab war dabei von Beginn an unser hoher Qualitätsanspruch. Daran hat sich bis heute nichts verändert. Jeder Rosenhüter hat zwar eigene Flaschen mit individueller Ausstattung, doch die gemeinsame Banderole verbindet uns und ist unser gegenseitiger Qualitätsgarant.

In den Herbstmonaten entstehen in den Brennereien der sieben Rosenhut-Mitglieder die feinen Brände, Geister und Liköre. Foto: Philipp Wieder

In den Herbstmonaten entstehen in den Brennereien der sieben Rosenhut-Mitglieder die feinen Brände, Geister und Liköre. Foto: Philipp Wieder

Tiepolo: Wie setzen Sie diesen Anspruch bei Ihrer Arbeit an der Brennblase um?
Joachim Fischer: Wir haben uns beispielsweise bereits früh einem Aufzuckerungsverbot unserer Brände und Maischen unterworfen, verzichten auf Aromatisierungen, verwenden nur frische, vollreife Früchten aus heimischem Anbau — sauber, ohne Blatt und Stiel – und beherrschen die hohe Kunst des Destillierens seit Generationen.

Neue Lokalverbände

Tiepolo: Wobei spielte der Rosenhut eine Vorreiterrolle?
Joachim Fischer: In den neunziger Jahren gründeten sich in ganz Deutschland Brennervereine wie der unsrige. Aus dieser Aufbruchszeit sind heute nur wir in Franken und der „Eifel Premium Brand“ in Rheinland-Pfalz übrig geblieben. Gleichzeitig haben sich aber in unserem Fahrwasser neue Lokalverbände gebildet, etwa in Wartmannsroth, im Kahlgrund oder rund ums Walberla. Auch auf der Brenner-Fachmesse „desta“ in Volkach sind wir seit jeher vertreten und quasi Gründungsväter. Wir haben, so gesehen, echte Pionierarbeit geleistet.

Edelbrenner Johannes Haas aus Pretzfeld ist Mitglied der Brennervereigung Rosenhut, der Frankens beste Destillateure angehören. Foto: Philipp Wieder

Edelbrenner Johannes Haas aus Pretzfeld ist Mitglied der Brennervereigung Rosenhut, der Frankens beste Destillateure angehören. Foto: Philipp Wieder

„Was empfehlen Sie, Herr Fischer?“

Tiepolo: Was empfehlen Sie Menschen, die die Geschmackswelten des Rosenhuts kennenlernen wollen?
Joachim Fischer: Allen voran empfehle ich die Klassiker wie unser Fränkisches Zwetschgen- oder Kirschwasser, die wir als Exklusivbrände gemeinsam entwickelt haben und herstellen, und nicht zu vergessen der Fränkische Obstler. Die geistige Welt Frankens ist ein weites Feld, auf dem man allerhand entdecken kann: von je her die sortenreinen und fassgelagerten Brände, aber in jüngerer Zeit auch die Bar­klassiker wie Whisky, Rum, Gin und Wodka, die wir nach fränkischer Machart herstellen.

Die Rosenhut Brenner-Karte. Foto: Dominik Röding

Die Rosenhut Brenner-Karte. Foto: Dominik Röding

Ziele für die Zukunft

Tiepolo: Worin liegen die künftigen Aufgaben des Vereins und Ihrer Brennerkollegen?
Joachim Fischer: Es ist an der Zeit, dass man die Kräfte bündelt und sich vor Augen führt, was dem Frankenwein und den Winzerkollegen nach harter Arbeit gelungen zu sein scheint: eine überregional anerkannte Dachmarke zu schaffen. Dies sollten wir Brenner auch unter der bayern­weit neu geschaffenen Organisation „Bayern Brand“ zustande bringen. Landschaft zu bewahren, Tourismus zu fördern und Genuss zu verbreiten, das wird auch weiterhin eine unserer Kernaufgaben bleiben.

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