Die Geschwister Kiesel von der Bücherblume Volkach. Foto: Dominik Röding
Die Geschwister Kiesel von der Bücherblume Volkach. Foto: Dominik Röding

„Buchkritik“ im Doppelpack: zwei Rezensentinnen – zwei Buchempfehlungen

Die Schwestern Eva und Sabine Kiesel sind Inhaberinnen der „Bücherblume“ in Volkach. Die Buchhandlung bietet ein ausgesuchtes Sortiment an Literatur, im Café kann man bei Kaffee und selbstgemachtem Kuchen eine kleine Lese-Pause einlegen. Auf „Tiepolo“ stellen die beiden Bücher vor, die sie auch ihren Kunden empfehlen. 

Sabines Empfehlung:

Tragikomik erlebt man bei der Nabelschau einer chaotischen Autorin. Mit Witz und Tragik schreibt Catharina Junk, die Autorin des Buches „Bis zum Himmel und zurück“, über Katja, die als Drehbuchautorin alleine und zurückgezogen in Hamburg lebt. Ihr Beruf ermöglicht es ihr, Figuren zu erfinden, die unterschiedlichste Erlebnisse durchlaufen, die man mit ihnen erleben kann ohne selbst große Gefühle riskieren zu müssen. Ratko ist so etwas wie ihr Freund, aber eben auch nur „so etwas wie“. Katjas Familie ist zerbrochen und die Beziehung zu Mutter und Vater ist mehr als schwierig.  Ausgerechnet sie wird beauftragt das Drehbuch zu einer neuen Familienserie zu entwickeln, was sich für Katja aufgrund ihrer Vergangenheit als äußerst zermürbend darstellt. Als dann plötzlich ihre Mutter anruft und eine erschütternde Nachricht übermittelt, ungebeten ihre angebliche Halbschwester vor der Türe steht, Ratko vorhat auszuwandern und Joost in ihrem Leben auftaucht, ist es höchste Zeit sich endlich einmal um das eigene Leben zu kümmern. Plötzlich seht Katja mitten drin in ihrer eigenen Realität und alles ordnet sich neu! Sie kann sich nicht länger vor ihrer eigenen Geschichte verkriechen. Die muss nämlich dringend neu geschrieben werden.

Über welches Zitat ich gestolpert bin: „Es ist schon ein Witz, dass die ausgerechnet mich fragen, wenn es um das Thema Familie geht. Mein Vater würde vermutlich am lautesten darüber lachen, aber der ist natürlich nicht hier, sondern schon lange weg. Auf der Anwärterliste für das Verdienstkreuz im Nicht-hier-Sein steht er nämlich ganz oben, direkt über Nemo.“

„Bis zum Himmel und zurück“ von Catharina Junk, erschienen im Verlag Kindler, 352 Seiten, ISBN 978-3463406947.

Evas Empfehlung:

Spannung verspricht ein Öko-Thriller über die mafiösen Strukturen im Fischereigeschäft. Der Erde geht es schlecht. Das wissen wir alle. Klimawandel, Artensterben, Überfischung, Aber was können wir dagegen unternehmen? Was kann die Politik tun? Was muss jeder einzelne ändern? Und wie drastisch muss die Veränderung sein? Teresa ist Fischereibeobachterin und kontrolliert die großen Fischfabriken auf hoher See. Von einem dieser Fangschiffe verschwindet sie spurlos. Ein Unfall? Oder hat sie sich mit mächtigen Gegnern angelegt? Die Umweltaktivistin Ragna greift zu immer radikaleren Mitteln, um die Bevölkerung aufzuwecken und ein Umdenken im Umgang mit Mutter Natur zu erzwingen. Ganz zum Verdruss ihres Vaters, der genau für diese Unternehmen arbeitet, gegen die Ragna unerbittlich kämpft. Hilfe erhofft er sich durch Ragnas Jugendliebe Adrian, der sie aufhalten soll, bevor sie in die Hände skrupelloser Geschäftsleute fällt. Wolfram Fleischhauer gelang ein aufrüttelter Öko-Thriller, der gerade durch seine Nähe zur Realität unter die Haut geht.

Über welches Zitat ich gestolpert bin: „Die Weltrevolution der Zukunft wird nicht auf der Straße stattfinden, sondern auf euren Tellern. Ein Großteil allen Unrechts und aller Zerstörung auf diesem Planeten geschieht an der Supermarktkasse, an der Fisch-, Fleisch- und Gemüsetheke und bei den Textildiscountern.“

„Das Meer“ von Wolfram Fleischhauer, erschienen im Verlag Droemer Knaur, 448 Seiten, ISBN 978-3-426-19855-1.

Mehr unter www.buecherblume.de.

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