Sinnbild des Frühlings: eine blühende Hecke. Foto: Roland Günter
Sinnbild des Frühlings: eine blühende Hecke. Foto: Roland Günter

Natur im Fokus: Wo ist unser Sinn für Ästhetik geblieben?

In Anbetracht der Zerstörung des Landschaftsbilds fragt sich Diplom-Biologin Karin Günter, wo unser Sinn für die Schönheit der Natur geblieben ist.

Eine Frage der Ästhetik

Karin Günter fotografiert gerne in der Natur. Leider wird häufig ein schönes Motiv durch einen kaputten Maschendrahtzaun, Stromtrassen, ein verfallenes Gebäude oder Müll verschandelt. „Haben Sie schon einmal versucht, an all diesen Dingen vorbei zu fotografieren? Das ist oft eine richtige Herausforderung. Dann frage ich mich, wo unser Sinn für Ästhetik geblieben ist.“

Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter

Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter

Die Schönheit der Dinge liegt im Auge des Betrachters.

Begriffe wie „Schönheit“ und „Ästhetik“ existieren vermutlich nur in der Welt der Menschen. Viele Leute empfinden Natur als schön. Bei einer Studie wurden Menschen weltweit befragt, welches Bild sie sich in ihr Wohnzimmer hängen würden. Erstaunlicherweise malten sich die Teilnehmer mehrheitlich das gleiche Motiv aus. Eine Landschaft mit weitem Blick, einem See oder Fluss, Bäumen und teilweise mit Tieren und Menschen. Je nach Land und Kultur gab es zwar Detailunterschiede, aber die Grundzüge waren gleich. Künstler lassen sich in und von der Natur inspirieren. Gerne hängen wir uns Bilder mit Naturmotiven an die Wand, schauen Naturfilme an oder hören sanfte Musik. All dies ist schön. Es beruhigt. Es weckt Sehnsüchte und Erinnerungen. Ein Grund dafür ist sicher die Ästhetik: Eine Wiese ist bunt, aber alle Farben, Formen und Strukturen passen zusammen. Nichts „sticht sich“, alles ist perfekt komponiert. Ein Florist benötigt viel Gespür und Geschick, um ein solches Arrangement zu kreieren. Eine einzelne Blüte kann blass und zart oder leuchtend und kräftig sein, schlicht oder geradezu extravagant. Aber immer vermittelt sie uns ein Gefühl der Stimmigkeit, der Harmonie. Und selbst wenn sich die Natur im Herbst und Winter nicht von ihrer schönsten Seite zeigt, wissen wir doch, dass im nächsten Frühjahr die Pracht zurückkommt.

Wie gemalt: Baum im Morgennebel. Foto: Roland Günter

Wie gemalt: Baum im Morgennebel. Foto: Roland Günter

Schönheit der Natur erhalten

Wie aber ist es mit unseren Spuren in der Landschaft? Warum nehmen wir die großflächigen und oftmals hässlichen Verbauungen einfach hin? Die vielen Gewerbegebiete, Flächen mit Schrott? Aus Bequemlichkeit? Aus Desinteresse? Oder weil es immer noch genug Reste von Natur gibt, in der man Rad fahren oder spazieren gehen kann? Der fokussierte Blick durch die Kamera spiegelt uns wider, wo unser Sinn für Schönheit und Ästhetik geblieben ist. Weit weg, fürchte Diplom-Biologin Karin Günter. Ihr Apell: „Helfen Sie mit, dass die Schönheit der Landschaft erhalten bleibt.”

Zur Person: Karin Günter

Die Diplom-Biologin ist bei der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken tätig. Ihr Mann Roland Günter präsentiert im Internet ein umfangreiches Naturbildarchiv, schreibt Naturreportagen für Zeitschriften und bietet Multivisionsvorträge an. Mehr Informationen unter naturbildarchiv-guenter.de und makro-treff.de

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