Gerd Falkum mit seinem Jaguar E-Type. Foto: Dominik Röding
Gerd Falkum mit seinem Jaguar E-Type. Foto: Dominik Röding

Garagengold: Sein Herz hat Gerd Falkum an den Jaguar E-Type verloren

Very british! Gerd Falkum aus Miltenberg kam einst übers Pfeiferauchen zu seinem Jaguar E-Type. Seit 30 Jahren gehört er nun schon zu ihm wie die Pfeife im Mund.

Das Kultauto der 60er

Klassik-Enthusiasten dürfte der Name Fritz B. Busch noch ein Begriff sein. Der passionierte Pfeifenraucher war in den sechziger Jahren Deutschlands kultigster Auto-Journalist und bekannt für seine Kolumne „Autos für Männer, die Pfeife rauchen“. Er schrieb in bis dahin unerhörter Art über schöne Autos, unter anderem den Austin-Healey, den MG Roadster oder den Jaguar E-Type. Das Fahrzeug mit der markanten Optik war dank Jerry Cotton und Co. in den sechziger Jahren zum
Kultauto avanciert. „Der Wagen gefiel mir von Jugend an“, sagt Gerd Falkum, der bis heute ebenso leidenschaftlich Pfeife raucht wie der schreibende Sportwagenfahrer. Im Hause Falkum war die Auto-Kolumne stets eine beliebte Lektüre gewesen, so wurde früh die Leidenschaft für schöne und schnelle Auto­mobile entfacht.

Das Pfeifenraucher-Auto schlechthin

Gerd Falkums Vater Magne hatte in Miltenberg in den fünfziger Jahren ein Tabakgeschäft gegründet, das heute zu den renommiertesten Adressen in Deutschland zählt. Sein Sohn leitet das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Sonja und einem Mitarbeiter in zweiter Generation. Wer eben kurz einmal eine Packung Zigaretten braucht oder Papierchen für seinen Drehtabak kaufen will, ist hier fehl am Platz. Zigarren- und Pfeifenraucher hingegen finden hier alles, was ihre Herzen höher schlagen lässt – eine erlesene Auswahl, die ihresgleichen sucht.

Der Jaguar E-Type in rot. Foto: Dominik Röding

Der Jaguar E-Type in rot. Foto: Dominik Röding

Erlesen präsentiert sich auch der E-Type, der draußen vor dem Geschäft parkt. Es war allerdings nicht sein erster Oldtimer. Gerd Falkum besaß in seinem Leben schon mehrere englische Roadster, die er aber alle wieder veräußerte. „Ich habe schon immer einen Spleen für britische Fahrzeuge und die Lebensart auf der Insel gehabt. Mein Herz habe ich aber an den E-Type verloren.“ Was lag da also näher, als den Pfeifenraucher und das Auto für Pfeifenraucher zusammenzubringen?

Vor über 30 Jahren gekauft

Sein Exemplar, mit einer 4,2-Liter-Maschine motorisiert, das – außer in Miltenberg – nur in Bristol zugelassen war, hat er vor über 30 Jahren gekauft. Der Ort in England steht ein Stück weit auch für die Geburtstunde des Wagens. Der 1951 von den Bristol-Flugzeugwerken zu Jaguar geholte Aerodynamikfachmann Malcolm Sayer, stilistischer Vater der siegreichen Le-Mans-Rennwagen, leitete seine windschnittige Form weitgehend mathematisch auf dem Reißbrett her. 1961 wurde der Wagen erstmals auf dem Genfer Autosalon vorgestellt – und wurde zur Ikone.

Der Jaguar E-Type von innen. Foto: Dominik Röding

Der Jaguar E-Type von innen. Foto: Dominik Röding

Mittlerweile ist das Auto von Gerd Falkum über 50 Jahre alt, doch noch heute überzeugt es mit rassigen Antritt und grollendem Sound beim Anfahren. „Am liebsten bin ich damit auf langgezogenen Landstraßen unterwegs, auf der Geraden merkt man die Power, die unter der langen Haube steckt.“ Mitte der neunziger Jahre war der Wagen soweit „heruntergefahren“, dass er aufwändig restauriert werden musste. Seitdem wird er gehegt und gepflegt, aber nicht geschont.

Kein Museumsstück

Ein Museums­stück sollte er nie sein. „Ich nutze den E-Type im Alltag, so wie ich auch ein ganz normales Auto nutzen würde.“ In Kauf nehmen muss er dafür einen viel zu klein geratenen Kofferraum und eine tiefe Sitzposition. Im E-Type fahre man nicht Auto, sondern der Hintern habe Räder, schrieb Fritz B. Busch. In der Tat sitzt man ganz tief in dem langgezogenen Fahrzeug mit einer der wohl charakterstärksten Karosserieformen in der Geschichte des Autobaus. Gerd Falkum ficht das nicht an. „Die Linienführung ist einmalig und zeitlos, da verzeiht man einige Unannehmlichkeiten.“

Datenblatt

Jaguar E-Type
Baujahr: 1966
Motor: 4,2-Liter-Längsmotor
Hubraum: 4235 ccm
Länge: 445,8 cm
Breite: 1653 cm
Höhe: 127 cm
Leergewicht: 1170 kg
Max. Drehmoment: 385 Nm bei 4000 U/min
Max. Leistung: 195 kW (265 PS) bei 5400 U/min
Von 0 auf 100 km/h: 7 Sekunden
Geschwindigkeit maximal: 243 km/h

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT