Wendelin Grass. Foto: Dominik Röding
Wendelin Grass. Foto: Dominik Röding

Der Motivator: Wendelin Grass verantwortet das Wohl von 170 aktiven Winzern

Wendelin Grass verantwortet als Geschäftsführer der Winzer­genossenschaft „Divino“ das Wohl von 170 aktiven Winzern. Gemeinsam entwickeln sie Strategien für lang anhaltenden Erfolg.

Mit dem Smartphone jederzeit erreichbar

Wenn Wendelin Grass mit seinem Auto frühmorgens zwischen den Rebhängen des Escherndorfer Lumps hinunter fährt ins Tal des Altmains, wo sich der Weinort Nordheim am Fuße der Weininsel an den Flusslauf schmiegt, ist er sich ganz sicher: „Hier beginnt das Paradies.“ Im Stammsitz der Winzergenossenschaft „Divino Nordheim Thüngesheim eG“ im Ortskern befindet sich sein Büro, von dem aus er als Geschäftsführer Sorge trägt für das wirtschaftliche Wohl von 170 Winzerfamilien. Eine ebenso hohe Zahl an Weinen reifen in den weitläufigen Kellern von Divino, die auf internationalen Weinverkostungen stets mit Bestnoten abschneiden und genussvolle Botschafter der fränkischen Weinbauregion sind. Wenn Herr Grass nach der Ankunft sein Büro betritt, schließt er die Zimmertüre nicht, sondern lässt sie weit offen stehen. Ein Vorzimmer sucht man vergeblich. „Divino ist ein Unternehmen mit flachen Hierarchien, das möchte ich vorleben.“ Unverzichtbar für ihn ist sein Smartphone. Es ist immer geladen und liegt auch während des Schlafs auf dem Nachttisch. „Ich will für meine Mitarbeiter greifbar sein, zu jeder Zeit.“

170 Winzer, 170 Meinungen

Divino umfasst eigentlich zwei Genossenschaften. Die eine wurde 1930 in Thüngersheim gegründet, die andere 1951 in Nordheim. 2012 erfolgte ihre Verschmelzung, an der Herr Grass, der zwei Jahre zuvor ins Unternehmen gekommen war, entscheidend beteiligt gewesen ist. In Deutschland gibt es heute noch 165 Winzergenossenschaften, die zusammen für rund ein Drittel der deutschen Weinerzeugung verantwortlich zeichnen. Viele dieser Betriebe haben in den vergangenen Jahren fusioniert; Divino ist kein Sonderfall, sondern Teil einer Entwicklung, die die Wettbewerbsfähigkeit der Genossenschaften kontinuierlich verbessert und ihre wichtige Marktstellung sicherstellt. Oft genug ist sein Geschick gefragt, wenn er eine Vielzahl an Interessen bündeln muss. „170 Winzer, das sind auch 170 Meinungen. Und jedes Wort hat das gleiche Gewicht.“

Bei der fränkischen Weinprämierung „Best of Gold“ schneidet Divino regelmäßig hervorragend ab. Foto: Dominik Röding

Bei der fränkischen Weinprämierung „Best of Gold“ schneidet Divino regelmäßig hervorragend ab. Foto: Dominik Röding

„Wer sich nicht bewegt, fällt zurück“

Sein Drang, Herausforderungen „bei den Hörnern“ zu packen, sorgt für die nötige Arbeitsmotivation. „An Herausforderungen wächst man, und wer sich nicht bewegt, fällt zurück“, so sein Credo, mit dem Divino zur besten Winzer­genossenschaft Deutschlands aufstieg. Die Grenzen, innerhalb derer er etwas bewegen kann, sind dabei klar abgesteckt. Die Reb­fläche von aktuell rund 360 Hektar und die staatliche Mengenbeschränkung beim Wein sind limitierende Faktoren. Um die Genossenschaft weiterhin prosperieren zu sehen, muss Divino daher auf höhere Qualität im Weinberg und Keller setzen sowie die Verwaltung und Vertriebsstruktur schlank und effizient halten. Ein Bonitursystem im Weinberg, das ein striktes Qualitätsmanagement vorschreibt, garantiert bestes Lesegut, während Vinfikationsprotokolle die Blaupausen für den richtigen Ausbau der Weine liefern. „Divino hat seinen eigenen Stil, seine unverkennbare Signatur im Glas.“ Diese Qualität muss jeder Jahrgang von neuem unter Beweis stellen. Verkosten kann man die Tropfen in den Vinotheken in Nordheim und Thüngersheim, wo man die ganze Genusswelt von Divino entdecken kann.

Genossenschaft für nachhaltigen Erfolg

Neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer ist er auch außerhalb Nordheims ein gefragter Mann. Als Beiratsmitglied beim Deutschen Weininstitut in Mainz, Mitglied im Fachausschuss Weinwirtschaft des Deutschen Raiffeisenverbands e. V. sowie als Vizepräsident des Fränkischen Weinbauverbandes e. V. nimmt er Einfluss auf die Vermarktung und die Belange des deutschen Weins. Seine Denkrichtung ist nach sieben Jahren Tätigkeit bei Divino genossenschaftlich geprägt. „Die Genossenschaftswinzer können stolz auf Ihr Tun sein und sollten selbstbewusster auftreten.“ Der Genossenschaftsgedanke zielt nicht auf kurzfristigen Erfolg, sondern ist stets nachhaltig und planvoll. „Die Weinberge sind ein Geschenk der Natur, mit dem sorgsam umgegangen werden muss und das unsere Winzer ernährt, teilweise über Generationen hinweg.“ Dieses Wissen, der Anspruch an die Erzeugnisse und das Verantwortungsbewusstsein für die Region fließen in die Arbeit der Winzer – und in die ihres Geschäftsführers.

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