Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter
Diplom-Biologin Karin Günter. Foto: Roland Günter

Kuriose Vielfalt: Alles in der Natur hat seinen Zweck – oder doch nicht?

Diplom-Biologin Karin Günter über die erstaunliche Vielfalt unserer Natur.

Natur ist zweckorientiert

Hast Du auch den neuesten Ratgeber zur Selbstoptimierung auf dem Nachttisch? Wir wissen aus der Evolutionslehre: Die Natur ist zweckorientiert. Alles muss sich stetig verbessern und anpassen an die Gegebenheiten. Vielleicht hast Du am Wattenmeer mal Löffler, Löffelenten und Säbelschnäbler gesehen. Ihre seltsam ausgeformten Schnäbel eignen sich perfekt dazu, große Mengen Wasser auf einmal durchseihen zu können auf der Suche nach Nahrung. Dass die Veränderliche Krabbenspinne, die man auf fast allen offenen, blütenreichen Flächen finden kann, die Hautfarbe wechseln kann, erleichtert ihr die Tarnung und damit das Überleben. Das prachtvolle Gefieder des Pfauenmännchens ist nicht Selbstzweck, sondern dient der Brautwerbung. Der Hirschkäfer setzt sein imposantes Geweih bei Kämpfen gegen Rivalen ein.

Löffler im Prachtkleid. 2 Die Schnabelform hat ihm zu seinem Namen verholfen. Foto: Roland Günter

Löffler im Prachtkleid. 2 Die Schnabelform hat ihm zu seinem Namen verholfen. Foto: Roland Günter

Spiellaune grenzenlos verwirklicht

Wo sich evolutiv keine Nachteile durch ein bestimmtes Aussehen oder Verhalten herauskristallisiert haben, konnte die Natur umgekehrt ihre Spiellaune anscheinend grenzenlos verwirklichen. Da gibt es etwa besonders geformte oder geschlitzte Blätter, wie bei vielen tropischen Pflanzen. Natürlich kann man argumentieren, dass geschlitzte Blätter das Licht auf die darunter liegenden Blätter durchlassen. Aber warum ist zum Beispiel das Blatt der beliebten Zimmerpflanze Fensterblatt geschlitzt und gelöchert zugleich? Haie sind von ihrer Hautbeschaffenheit und Gestalt perfekt stromlinienförmig, doch wieso sieht dann das Seepferdchen so aus, wie es aussieht? Lässt sich vielleicht doch nicht alles erklären? Wie der bekannte Philosoph Richard David Precht betont, deuten wir die Tier- und Pflanzenwelt fast ausschließlich mit den uns Menschen zur Verfügung stehenden Sinnen. Das funktioniert meist schon innerhalb unserer eigenen Spezies nicht, warum sollte es dann also beim Rest der Natur klappen. Wann hast Du das letzte Mal etwas Zweck-loses getan?

Die Krabbenspinne hat zur Tarnung die Farbe der Blüte angenommen. Foto: Roland Günter

Die Krabbenspinne hat zur Tarnung die Farbe der Blüte angenommen. Foto: Roland Günter

Parks und Blumengärten kamen im Laufe der Geschichte in Mode, weil die Vermögenden es sich leisten konnten, ihren Landbesitz nicht mit Obst und Gemüse zur Selbstversorgung zu bepflanzen, sondern mit Blumen, Hecken, Sträuchern und Bäumen. Wenn Du jetzt mit der Planung für Deine Gartengestaltung im kommenden Jahr anfängst, lass‘ Du Deiner Kreativität freien Lauf. Frage in Deiner Gärtnerei nach selten gewordenen heimischen Pflanzenarten und gebe ihnen neuen Raum. Designe Deine grüne Oase mit dem Außergewöhnlichen. Spiele in der Natur! Und stecke das Selbstoptimierungsbuch ganz unten in Ihren Bücherstapel. Ich wünsche Dir eine vielfältig goldene Jahreszeit. Herzlichst, Ihre Karin Günter

Zur Person: Karin Günter

Die Diplom-Biologin ist bei der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken tätig. Ihr Mann Roland Günter präsentiert im Internet ein umfangreiches Naturbildarchiv, schreibt Naturreportagen für Zeitschriften und bietet Multivisionsvorträge an. Mehr unter www.naturbildarchiv-guenter.de und www.makro-treff.de.

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