Weinkritiker Gerhard Eichelmann. Foto: Dominik Röding
Weinkritiker Gerhard Eichelmann. Foto: Dominik Röding

Der Weinkritiker: Gerhard Eichelmann sieht den fränkischen Weinbau auf einem guten Weg

Weinexperte Gerhard Eichelmann sieht den fränkischen Weinbau auf einem guten Weg, trotzdem sei nicht alles in Ordnung. Warum? Das verrät er uns im Interview.

„International ist Franken nicht präsent“

Tiepolo: Herr Eichelmann, welche Weine aus Franken haben Sie zuletzt begeistert?
Gerhard Eichelmann: Ganz klar die Weißweine des Weinguts Max Müller I aus Volkach, die ich in der 2017er Ausgabe meines Führers für die beste Weißweinkollektion ausgezeichnet habe. Mit seiner Frau hat Rainer Müller das Weingut in den vergangenen Jahren stetig vorangetrieben und an die fränkische Spitze gebracht. Vor allem ihre Silvaner zeigen Vielfalt und Klasse.

Tiepolo: Wie steht es sonst um Franken?
Gerhard Eichelmann: Seit 19 Jahren verkoste ich konstant Weine von inzwischen weit über 100 verschiedenen Betrieben in Franken. Durch das ansteigende Niveau in Franken haben es auch immer mehr Frankenweine in meinen Führer geschafft. In der aktuellen Ausgabe sind so viele fränkische Weingüter vertreten wie nie zuvor, 114 Betriebe mit weit über 1.300 Weinen. Das spricht für die ausgezeichnete Arbeit, die hier betrieben wird. Damit das so bleibt, sollten sich die Winzer beim Ausbau ihrer Weine mehr zurücknehmen und das Terroir für sich sprechen lassen.

Tiepolo: Also ist alles in bester Ordnung?
Gerhard Eichelmann: Nein. Wenn man glaubt, alles wäre in Ordnung, dann beginnt man sich auszuruhen, nachlässig zu werden. Das ist Franken vor gut zwanzig Jahren schon einmal passiert. Regional mag Frankenwein einen hervorragenden Ruf
genießen, international ist Franken aber nicht präsent. Die Winzer müssen ihre Weine auch außerhalb Bayerns präsentieren und bekannt machen. Nur dann können sie auch höhere Preise für Top-Weine erzielen. Die meisten Großen Gewächse aus Franken sind im Vergleich zu anderen Weinbauregionen noch zu günstig.

„Es wird zu wenig unternommen“

Tiepolo: Was empfehlen Sie den Winzern?
Gerhard Eichelmann: Es gibt viel Gutes, es wird aber zu wenig unternommen. Der VDP-Regional­verband ist mir zu untätig, auch die Strategie des Weinbauverbandes ist nicht immer klar erkennbar. Hier wird über den neuen Bocksbeutel diskutiert –
außerhalb Frankens interessiert das niemanden. Die Energie sollte man lieber für Präsentationen und Verkostungen im Ausland verwenden.

Tiepolo: Wohin geht die Reise in Franken?
Gerhard Eichelmann: Die Winzer werden wieder dahin gehen, wo der Wein vor 120 Jahren wuchs: in den Steillagen, die schwierig zu bearbeiten sind, aber wegen ihrer Böden große Weine hervorbringen. Die Randregionen werden aufgrund des Klimawandels künftig eine größere Rolle spielen, zum Beispiel das Saaletal oder das Taubertal.

Tiepolo: Worin liegt das Geheimnis eines guten Weins?
Gerhard Eichelmann: Gute Weine müssen eine Geschichte erzählen, den Konsumenten auch mal vor den Kopf stoßen. Wein darf nicht langweilig werden, kein austauschbares Allerweltsprodukt. Die fränkischen Bioweine zeigen dies eindrucksvoll. Aber nicht nur sie alleine, Frankenweine insgesamt werden immer faszinierender.

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Einführung in die deutsche Weinwelt mit Winzer-Porträts, Wein-Bewertungen und umfangreichem Anhang. 1216
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