Hermann Menger ist Weinfachberater des Bezirks Unterfranken. Foto: Katja Glatzer
Hermann Menger ist Weinfachberater des Bezirks Unterfranken. Foto: Katja Glatzer

Der Weinflüsterer: Unterfrankens Weinfachberater Hermann Mengler sorgt für bessere Weine

Hermann Mengler, Weinfachberater des Bezirks Unterfranken, sorgt für immer bessere Weine. Wenn’s um Wein geht, kommt man an Hermann Mengler nicht vorbei – zumindest nicht in Bayern. Der Leiter der Fachberatung für Weinbau und Kellerwirtschaft beim Bezirk Unterfranken berät Winzer in allen Fragen rund um den Wein.

800 Betriebe produzieren Frankenwein

Tiepolo: Herr Mengler, welche Bedeutung hat der Wein für Franken?
Hermann Mengler: Wer an Unterfranken denkt, verbindet damit Begriffe wie Frankenwein, Bocksbeutel oder den Silvaner. Diese Begriffe gehören unauslöschlich zur unterfränkischen Landschaft und seinen Menschen. Rund 3.500 Winzerbetriebe pflegen diese Kulturlandschaft, erzeugen Trauben und 800 Betriebe produzieren Frankenwein. Dies alles ist elementar für den Tourismus in „Weinfranken“.

Tiepolo: Was ist Ihre Aufgabe als Oenologe?
Hermann Mengler: Wichtigste Aufgabe unserer Fachberatung ist die Beratung in den Betrieben. Unsere Stärke ist die individuelle Ansprache. An erster Stelle stehen dabei die Weinverkostungen. Permanent sind es rund 240 Weingüter und
Direktvermarkter, die drei Winzergenossenschaften und alle Winzervereinigungen. Somit beaten wir 80 Prozent der
fränkischen Rebfläche. Zudem geben wir Schulungen, Seminare und Sensorikworkshops. Denn nur wer gut verkosten
kann, kann auch gute Weine erzeugen.

Tiepolo: Was sagt die Lagerfähigkeit von Weinen über eine Anbauregion aus?
Hermann Mengler: Mit dem Potenzial der Lagerfähigkeit ihrer Weine steigt das Renommee einer Weinbauregion. Weine, die zehn Jahre Reifung und mehr vertragen, findet man nur in den besten Weinbauregionen. In Franken stehen wir bei dieser
Entwicklung noch am Anfang, aber das Interesse wächst, von Seiten der Konsumenten und der Erzeuger. Vielleicht gibt es in naher Zukunft sogar Raritätenversteigerungen, wie in anderen Weinregionen. Speziell hier gibt es in Franken „leider“ noch keine Tradition.

Mehr Mut zum Ausschank gereifter Weine

Tiepolo: Warum hinkt Franken hinterher?
Hermann Mengler: Es fehlt zum einen die Tradition, zum anderen hatten wir vor rund 20 Jahren ganz andere Probleme. Von
Lagerfähigkeit der Weine konnte nicht die Rede sein, es gab eher ordinäre Masse als originäre Klasse. Der negative
Produktionshöhepunkt war 1989, in diesem Jahr betrug der durchschnittliche Hektarertrag 154 Hektoliter, ein viel zu
hoher Wert für gute Qualität, geschweige denn für Weine mit Lagerpotenzial. Erst durch Mengenbeschränkungen
und Qualitätsoffensiven stieg das Bewusstsein für die Notwendigkeit großer Weine an.

Tiepolo: Welchen Weg sollten die fränkischen Winzer in Sachen Reifepotenzial einschlagen?
Hermann Mengler: Das ist sehr individuell und hängt von ihrer Philosophie ab. Winzer aus dem Mittel- oder Top­segment sollten mindestens zwei Weine im Angebot haben, die älter als fünf Jahre sind. Die Voraussetzungen für wirklich große Weine sind geschaffen, nun müssen sie nur noch angeboten werden. Auch die Gastronomie sehe ich in der Pflicht. Ein Landgasthof sollte mehr Mut zum Ausschank gereifter Weine haben. Acht- oder zehnjährige Weine findet man in anderen Ländern auf vielen Weinkarten, warum nicht bei uns?

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