Winzer Rudolf May & Sohn Benedikt May. Foto: Andreas Durst
Winzer Rudolf May & Sohn Benedikt May. Foto: Andreas Durst

Der Öko-Winzer: „In Bio-Weinbergen summt das Leben“

Für Klemens Rumpel, Vorsitzender der Fränkischen Ökowinzer, liegt die Zukunft des Weinbaus im Bio-Segment.

300 Hektar rein biologische Weinbergsfläche

Die Ursprünge des fränkischen Öko-Weinbaus liegen auf einem Berg hoch über der Mainschleife. In der grünen Oase der Vogelsburg haben die Augustinusschwestern, allen voran Schwester Hedwig, vor über 50 Jahren an den Hängen des Vogelbergs mit dem Ökoweinanbau begonnen. Während sich die Ordensfrauen mittlerweile zur Ruhe gesetzt haben, geht es mit dem Bioweinanbau in Franken weiter aufwärts. Laut Klemens Rumpel aus Kürnach, Vorsitzender der Vereinigung „Fränkische Ökowinzer“ (FÖW), bewirtschaften heute 36 Betriebe knapp 300 Hektar Weinbergsfläche in Franken rein biologisch. „Das sind fünf Prozent der gesamten Anbaufläche“, sagt er.

In kurzer Zeit zum Zukunfts-Konzept

Vor 26 Jahren begann man mit 17 Betrieben, die sich im FÖW organisiert haben. Seit dieser Zeit ist die Nachfrage nach biologisch erzeugten Weinen stetig gestiegen und der Bund gewachsen – so wie das Leben in den Weinbergen der Ökowinzer. „Man muss sich nur umschauen: In konventionell betriebenen Weinbergen gibt es keine Tiere, weil alles Grün abgemäht wird und Spritzmittel zum Einsatz kommen. In Bio-Weinbergen hingegen brummt und summt das Leben“, erklärt Herr Rumpel. Neben diesen offensichtlichen Argumenten für eine naturnahe Weinbergsbewirtschaftung sind es natürlich auch geschmackliche Gründe, die für einen biologischen Weinbau sprechen. Was vor etlichen Jahren noch belächelt wurde, hat sich innerhalb kurzer Zeit zum Zukunfts-Konzept entwickelt.

Keine synthetisch-mineralischen Dünger

Insbesondere die Top-Weingüter stellen zunehmend auf biologischen Weinbau um. Davon überzeugte sich Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel im August bei der diesjährigen Sommertour des Bezirks Unterfranken. Dass es dabei nicht so sehr um Öko-Mode, sondern vor allem um Wein-Qualität geht, wurde bereits im ersten Betrieb deutlich. „Wir stellen derzeit unseren kompletten
Betrieb um, weil wir noch besseren Wein erzeugen wollen“, betonte Benedikt May, Junior-Chef im Weingut Rudolf May in Retzstadt. Die Kunst bestehe darin, „die Natur für uns arbeiten zu lassen“. Ökowinzer verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel und Insektizide. Sie bringen keine synthetisch-mineralischen Dünger aus und wollen stattdessen durch Begrünungspflanzen das Bodenleben aktivieren. Gentechnisch veränderte Organismen sind für Öko-Winzer sowohl in den
Weinbergen als auch im Keller verboten. Bio-Weine stehen für Nachhaltigkeit ebenso wie für Lebensfreude und Genuss.

Wie sich diese Qualität im Glas anfühlt, präsentierte anschließend die Retzstädter Weinprinzessin Lena Müller, die den Besuchern einen 2016er Silvaner als Kostprobe ins Glas schenkte. Nussig, mit dem feinen Aroma reifer Birnen und einer herben Frische handle es sich dabei um einen idealen Sommerwein, erläuterte sie. „Diesen Wein kann man einfach so trinken oder als wunderbaren Begleiter zu einem schönen Abendessen“.

„Der Markt ist vorhanden“

Bereits über reichlich Erfahrung als Bio-Winzer verfügt Ludwig Knoll vom Würzburger Weingut am Stein, den zweiten Gesprächspartner des Bezirkstagspräsidenten auf seiner Weinbereisung. Auch Knoll hatte noch gut jene Zeit in Erinnerung, als er wegen seiner Auffassung als „Ökoschlappen-Träger“ belächelt wurde. Im elften Jahr als Bio-Winzer erlebe er, dass „die Weinberge strahlen“, dass die Trauben „nicht aus der Retorte kommen und aus sich heraus Widerstandskraft entwickeln“. Für Ludwig Knoll steht fest: „Im Bio-Wein liegt die Zukunft!“ Wein sei ein Naturprodukt. Daher müsse man Vertrauen in die Natur haben, aber auch den Respekt vor der Natur ernst nehmen.

Aber auch für Ludwig Knoll ist es entscheidend, niemals die Qualität aus dem Auge zu verlieren. „Der Markt ist nicht nur reif für biologischen Weinbau, dieser Markt ist auch vorhanden“, so das Resümee des Spitzen-Winzers.

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT