Pater Anselm Grün und Bäckermeister der Abtei Münsterschwarzach. Foto: Tiepolo
Pater Anselm Grün und Bäckermeister der Abtei Münsterschwarzach. Foto: Tiepolo

„Einfach himmlisch“ – Die Geschichte und Bedeutung des Brotes

Zusammen mit dem Bäckermeister der Abtei Münsterschwarzach spürt Pater Anselm Grün in seinem neuen Buch der Geschichte und Bedeutung des Brots nach.

Pater Anselm Grün im Interview

Tiepolo: Pater Anselm, welche Bedeutung hat unser täglich Brot?
Anselm Grün:
Schon die Kirchenväter im vierten Jahrhundert kritisieren die damalige Sucht, das Essen immer mehr zu verfeinern. Sie plädierten für einfache Ernährung. Wenn ich Brot langsam kaue, kann ich es genießen. Wir erinnern uns auch an viele gute Erfahrungen, die wir als Kind mit dem Brot gemacht haben. Dann wird Essen zugleich zu einer Art Selbsttherapie. All die Erfahrungen von Geborgenheit und Liebe kommen beim Genuss eines Brotes in uns hoch.

„Wir essen Gottes Gaben“

Tiepolo: Welche Rolle spielt Brot im christlichen Glauben?
Anselm Grün: In der christlichen Tradition – aber auch schon in der jüdischen Tradition – waren Brot und Wein ein Symbol für die Nahrung und zugleich für die Freude an der Schöpfung. Das Brot stärkt das menschliche Herz, der Wein erfreut das Herz. Beides ist wichtig: Stärke und Freude. Ein weiterer Aspekt ist zudem das Ritual des Brotbrechens, wie es der Priester vor der Kommunion tut. Wir brechen den Leib Christi, der für uns am Kreuz zerbrochen wurde, damit wir nicht zerbrechen an dem, was uns täglich durchkreuzt, sondern aufgebrochen werden für unser wahres Selbst, füreinander und für Gott.

Tiepolo: Welche Alltagsrituale, in denen Brot eine Rolle spielt, sind für Sie von besonderer Bedeutung?
Anselm Grün: Meine Mutter hat immer das Kreuz in den Brotlaib geritzt, bevor sie ihn aufgeschnitten hat. Das ist für mich ein schönes Symbol, dass uns im Brot Gottes Segen begegnet. Wir essen Gottes Gaben. Gott meint es gut mit uns.

Tiepolo: Welche Botschaft möchten Sie Ihrem Leser mit auf den Weg in die nächste Bäckerei mitgeben?
Anselm Grün: Gehen Sie mit Dankbarkeit zu Ihrem Bäcker. Und genießen Sie ganz langsam das Brot, das Sie gekauft haben. Nehmen Sie wahr, dass im Brot einmal die Frucht der Erde steckt, zum andern aber auch viel menschliche Arbeit und Sorgfalt und Liebe.

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