Gunther Schunk und Kai Fraass. Foto: Daniel Peter
Gunther Schunk und Kai Fraass. Foto: Daniel Peter

„Asterix uff meefränggisch“ – Die Würzburger Dialektübersetzer im Gespräch

Der fünfte Band der Mundart-Reihe „Asterix uff meefränggisch“ ist erschienen. Wir baten die Autoren Gunther Schunk und Kai Fraass zum Gespräch. Mit ihrem fünften Band „Asterix uff Meefränggisch“ erklären die Würzburger Dialektübersetzer Kai Fraass und Gunther Schunk endlich, warum ganz Franken überhaupt von den Besatzern im Süden besiegt und eingenommen wurde – und auch heute noch (bis auf das rebellische „Meefrangn“) von harter Hand unterworfen ist. Feinsinnig werden die innerfränkischen Mentalitätsunterschiede aufgezeigt und schonungslos die kulturellen Defizienzen der Mittelfranken entlarvt.

Die Abenteuer des fünften Bandes

Tiepolo: Herr Schunk, Herr Fraas, was amüsiert Sie am meisten bei Ihrer Arbeit?
Gunther Schunk: Das Gesicht vom Kai, wenn ich meine eigenen Witze nicht mehr verstehe.

Kai Fraass:
Das Gesicht vom Gunther, wenn ich ihm erklären muss, was wirklich auf dem Comicbild zu sehen ist.

Tiepolo: Welche Abenteuer müssen Asterix, Idefix und Obelix dieses Mal bestehen?
Gunther Schunk: Leider können sie nicht mehr in die Schlacht gegen die Besatzer aus der Kapitale im Süden eingreifen und dadurch auch nicht die Unterwerfung ganz Frankens verhindern. Ihnen gelingt es aber in einer turbulenten Reise, die als Kurlaub getarnt ist, die gröbsten Folgen wieder zu beseitigen. Die Nürnberger und vor allem die Fürther Franken kommen dabei allerdings nicht allzugut weg. Kein Wunder, denn die trinken ja nur Bier und nicht, wie die Meefrangn, den legendären Mädschigg-Schobbe.

Tiepolo: Welche Eigenschaften verbindet Gallier und Franken miteinander?
Kai Fraass: Beide Volksstämme müssen gleiche genetische Wurzeln im Dunkel der Völkerwanderungszeit haben. Anders ist diese übergreifende Parallelität nicht zu erklären. Eine gleichartige tendenziell maulfaule Geselligkeit, gepaart mit Starrsinn und alltagsintelligenter Genialität, das Ganze umspielt mit permanentem Hunger und vor allem Durst, finden sich nirgends auf der Welt in dieser fein­sinnigen und zugleich schlagkräftigen Lebensart.

Hocheffizientes Sprachsystem

Tiepolo: Warum ist Fränkisch eine so schöne Mundart?
Kai Fraass: Bei Meefränggisch handelt es sich um ein energie­sparendes, hocheffizientes und zugleich höchstkomplexes Sprachsystem. Hier gilt: Wenig ist mehr! Und zwar auf allen Sprachebenen! Allein die vermeintlich zufällig eingestreute einsilbige Modalpartikel „fei“ öffnet Bedeutungswelten, die sich fei nur dem „Subberexberden“ (Kenner) erschließen.

Gunther Schunk: Allen voran der Verlust der stimmlosen Plosivlaute p, t und k zu Gunsten der binnendeutschen Konsonantenschwächung als b, d und g (wie in „Biano“, „Doddelini“ und „Gnabberzeuch“) sowie die kieferakrobatischen Diphthonge ä, ö und ü wie in Schbortsfräöünd“ verleihen dem Meefränggisch seine einzigartige Aussprache-Ästhetik. Nicht zuletzt die Serialisierung mehrteiliger Modalverbgefüge wirft eine augenzwinkernden Überlegenheit auf die meisten Nachbardialekte: „Da hab ich mich oo foddografier lass müss.“

Tiepolo: Wo gibt’s die beste Schlachtplatt’n? Und was g‘hört drauf?
Beide, unisono: In der Region Schweinfurt, also bei „Campus Schnüdelum“, der Schwesterstadt von Wördsburch, gibt es exzellente Schlachtplatten. Wichtige Bestandteile sind Bauchfleisch, Stich, Bug, Kamm, Kopffleisch mit Zunge, Ohr und Rüssel sowie Herz und andere Innereien samt Nieren. Dieser nahrhaften Mischung sind – neben dem Mädschigg-Schobbe – auch die größten meefränggischen Erfolge zu verdanken: zum Beispiel die Erfindung der Wengert-­Scheer, des Mittagsschlafs und des Zwetschgenwassers.

Weltliteratur auf Fränkisch

Ran an den Speck: Es wird wieder ordentlich aufgetischt bei „Asterix un di Schlåchtbladdn“, von Gunther Schunk und Kai Fraas, 48 Seiten, Egmont Comic Collection, ISBN 37 70 43 98 64. Bestellbar unter www.egmont-comic-collection.de.

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